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missio_ebooks_01_2013

blickwechsel indien missio magazin 1/201332 >> „Fiberglas ist ein schlichtes Material, leicht und wetterbe- ständig“, sagt Bruder Vitus, während er durch die Reihen von Figürchen, Figuren und überlebensgroßen Statuen führt. „Das macht Fiberglas so interes- sant. Schauen Sie, diese Mutter Teresa hier kostet nur 30 000 Rupien. Das ist doch ein guter Preis.“ Er schiebt die Folie, die die rund einen Meter fünfzig hohe Statue schützt zur Seite und wirft einen prüfenden Blick auf die Farbgebung. „Die Ge- sichter bemalen wir per Hand, das ist Feinstarbeit. Nur den Rest kann man einer Maschine anvertrauen.“ Unzählige Jesus- und Marienstatuen und figürli- che Darstellungen von Heiligen aus der Werkstatt von Bruder Vitus finden sich in Kirchen und Kapellen in ganz Indien. Hier in Mumbai schiebt sich sogar der dichte Verkehr an dem vorbei, was in „Kala Sadhana“, dem Kunstzentrum der Franziskaner, entsteht: Damit die Autofahrer im täglichen Stau die Gedanken etwas Schönem zuwenden kön- nen, hat die indische Metropole etliche Verkehrsinseln mit Kunstwerken versehen. Bruder Vitus hat für einige dieser Statu- en die Form aus Lehm gebrannt. „Jede Form kann bis zu zehn Mal verwendet werden, wenn man sorgsam mit ihr umgeht“, sagt er. 700 solcher Formen lagern in seiner Werkstatt. Klei- nere Figuren fertigt er aus massi- vem Material. Die großen Wer- ke sind hohl. Sie werden in zwei Stücken gegossen und zusam- mengefügt, bevor sie lackiert werden – mit Farben, die auch für Autos Verwendung finden. Aber nicht nicht nur Fiberglas – eigentlich der umgangssprachli- che Begriff für glasfaserverstärk- ten Kunststoff (GFK) – fasziniert Bruder Vitus: Er zeichnet, malt in Öl, fotografiert, dreht Doku- mentarfilme und gestaltet Ar- tefakte aus den unterschiedlich- sten Materialien. Zunächst hat der ursprünglich aus dem südindischen Bun- desstaat Kerala stammende Franziskaner eine Ausbildung zum Zimmermann und Zeich- ner abgeschlossen. An der Uni- versität der Schönen Künste in Rom (RUFA), die von Leonardo da Vinci gegründet wurde, konnte er sich der italienischen Kunst widmen. „Rom ist der richtige Ort für vieles, auch für Fiberglas“, sagt Bruder Vitus. Wenn Rom der richtige Ort für vieles ist, so ist Bruder Vitus Kunstzentrum ein großes Glück für viele: Das Zentrum der Franziskaner in Borivali West, Mumbai, grenzt an zwei Slums. Zwei Slums, in denen die Ordensleute seit Jahrzehn- ten arbeiten und aus denen sie unzähligen Menschen heraus in eine bessere Existenz geholfen haben. Bruder Vitus George tut das auch: Bei ihm lernen 60 Kinder Englisch, deren Famil- ien in winzigen Hütten woh- nen. Er bietet Computerkurse an und für die, die Begabung und Interesse haben, die Mög- lichkeit, zu malen, zu formen und zu gestalten. Sechs Schüler bildet er pro Kurs aus. Eine Arbeit, die nie endet: Die Slums werden nicht kleiner, denn kaum wird der ebenso ärmliche wie teuere Wohnraum frei, ziehen neue Familien vom Land nach Mumbai. Manche bleiben auch, um anderen zu helfen. Wie der Allgemeinarzt, der hier geboren ist und trotz Studium und Beruf hier geblie- ben ist. Er öffnet seine Praxis in den frühen Morgenstunden und am späten Abend. Denn die Kranken arbeiten tagsüber wei- ter, solange es irgendwie geht. Aus dem Verkauf der Ma- donnen, Jesusbildnisse und Hei- ligenfigürchen finanziert Bruder Vitus seine Arbeit für die Men- schen. „Wir exportieren mit- tlerweile auch in einige afrikani- sche Länder und nach Thailand“ sagt er. << B. Brustlein DIE KUNSTHANDWERKER D„Die Gesichter bemalen wir per Hand, das ist Feinstarbeit.“ BRUDER VITUS GEORGE, 50, Künstler in Mumbai Foto:missio,fotolia 32-33_Blickwechsel_13-01:32-33_Blickwechsel_13-01 26.11.2012 12:05 Uhr Seite 32

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