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missio_ebooks_01_2013

missio magazin 1/201308 >> In China gibt es ein Sprichwort: Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einmal satt, lehre ihn Fischen, und er wird nie wieder hungern. Die Weisheit, die in die- sem Satz steckt, ist zum Motto mei- ner Arbeit geworden. Denn Selbst- ständigkeit, die Gewissheit, dass man mit ein bisschen Starthilfe auf eigenen Beinen stehen kann, ist ein hohes Gut. Unser Orden kümmert sich um die Bedürftigen und hier vor allem umKinderundJugendliche.InBur- kina Faso unterhalten wir zum Bei- spiel ein Kinderheim, bieten Jugendlichen eine Ausbildung und helfen Behinderten mit Physio- therapieangeboten. In einem Mehr- zwecksaal führen wir Projekte für DialogundFriedendurch–einesehr wichtige Aufgabe in einem Land wie Burkina Faso mit großer religiöser Vielfalt. Der Mehrzwecksaal wurde auch von missio mitfinanziert, wofür wir sehr dankbar sind. In Burkina Faso mangelt es nicht an Großzügig- keit, wohl aber an vermögenden Spendern. Ohne externe Hilfe könn- ten wir deshalb sehr viele Projekte nicht verwirklichen. Gleichzeitig ist der Saal aber auch ein Beispiel für die Erwirtschaftung eigener Mittel: Wenn er nicht für unsere Ver- anstaltungen genutzt wird, vermie- ten wir ihn, etwa für Hochzeiten. Die Einnahmen kommen wieder den Projekten zugute. Meiner Mei- nung nach muss immer beides zusammenkommen: Hilfe von außen, damit Investitionen getätigt werden können – und langfristig die Erwirtschaftung eigener Mittel, um das Projekt zumindest teilweise sel- ber unterhalten zu können. Warum das so wichtig ist? Weil es Menschen ändert, wenn sie ihr Schicksal selber in die Hand nehmen können, weil es motiviert und Eigeninitiative weckt. Aber auch, weil Zuwendungen von Hilfsorganisationen gekürzt oder gestrichen werden können. Im Moment befinden wir uns in einer Weltwirtschaftskrise, bei der auch die Industrieländer unter Druck geraten. Je nach wirtschaftlicher Lage und Freigebigkeit schwanken die Spendeneinnahmen. Aber soll ich die 600 Kinder in unserem Kin- derheim auf die Straße setzen, wenn die externen Mittel einmal ausblei- ben? Bei Selbstständigkeit geht es nicht um komplette Unabhängig- keit. Jeder ist auf andere angewiesen, und das ist auch gut so. Man kann das mit einem Auto vergleichen: Wenn man für Benzin komplett auf Tankstellen angewiesen ist, bleibt das Auto stehen, sobald der Tank leer und keine Tankstelle in Sicht ist. Nur wenn man selbst einen Reserve- kanister hat, kann man ein Stück weiterfahren. Bisher wurde oft ver- sucht, mit Projekten wie etwa einer kleinen Viehzucht Einkommen zu generieren. Solche Initiativen kön- nen schon viel bewirken. Aber ich denke, auf die Dauer brauchen wir größere Projekte, die mehr einbrin- gen können. Im Moment ist das in den meisten afrikanischen Ländern das Immobiliengeschäft. In Ost- afrika läuft das Immobiliengeschäft sehr gut, Objekte zur Vermietung sind sichere, regelmäßige Ein- kommensquellen. Unser nächstes großes Projekt ist es deshalb, unseren Mehrzwecksaal um Unterkünfte zu Père Bertin Sanon: „Wer spendet schon gerne für den Bau einer Villa, die dann zur Erwirtschaftung von Einkommen ver- mietet wird?“ frauen>Die Kongregation der Religieux de St. Vincent de Paul konzentriert sich vor allem auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Burkina Faso und an der Elfenbeinküste. Aber auch die Förderung von Frauen nimmt einen großen Stellenwert ein. Père Bertin Sanon sagt: „Entwicklung hängt zu einem Großteil von Frauen ab. Das ist überall in Burkina Faso so. Sie sind oft sehr geschäftstüchtig. Wer Frauen unterstützt, unterstützt eine ganze Familie, ein ganzes Dorf. Bei Männern kann man sich da nicht so sicher sein, oft wird das Geld vertrunken.“ Die Möglichkeit, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen, motiviert viele Frau- en an einem Projekt teilzunehmen. Selbst eingenommenes Geld kann auch selbstbestimmt ausgegeben werden. Und das ist es, was durch die Hilfe zur Selbsthilfe letztendlich erreicht werden soll: Eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation, ohne dabei dauerhaft auf Spenden- gelder angewiesen zu sein. stichwort selbstständigkeit SELBSTSTÄNDIGKEIT Fotos:JörgBöthling(4),missio 08-09-Stichwort_13-01:08-09-Stichwort_13-01 26.11.2012 11:15 Uhr Seite 8

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