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missio_ebooks_01_2015

Leben auf dem Land: Die meisten Bewohner des Dorfes Bagahi nahe der Grenzstadt Birgunj stammen aus den unters- ten Kasten. Elektrischen Strom haben nur wenige, und feste Toiletten gibt es nicht. men, Lastwägen und Autos drängeln sich genauso durch die Stadt und über die Grenze, wie Rikschas und Eselskarren. Umgeben ist die Stadt von vielen kleinen Dörfern, in denen vor allem die Menschen aus den un- teren Schichten zu Hause sind. Das Tor nach Indien Warum also wollen viele weg von hier? Weil viele Menschen so leben müssen wie Pramod Patel. Er ist der Vater von Revi Patel, einem der Schüler auf der Little Flower School. Herr Patel arbeitet bei „Himal Iron and Steel“, ein Stahlwerk, gegenüber der Schule. Soeben hat er mit seinem Fahrrad das Werkstor erreicht, gleich beginnt die Schicht. Er ist „contract laborer“, Hilfsarbeiter, der jeden Tag von einem Subunterneh- mer angeheuert wird und für jede zwölfstündige Schicht einen Lohn erhält. „Wenn es gut geht, sind es 400 Rupien am Tag,“ sagt Pramod Patel. Umgerechnet 3,20 Euro. Da- für schaufelt er Kohlebrocken und verlädt sie auf einen Wagen, den er und fünf Kollegen dann in die Werkshalle ziehen. Dort werden quaderförmige Stahlträger in gro- ßen Öfen zu Baustahl verarbeitet. Die Männer haben sich Stofftücher um den Mund gebunden, um sich vor dem schwarzen Kohlestaub zu schützen. Herr Patel hält kurz inne - und denkt an seinen Sohn. „Revi soll auf keinen Fall so werden wie ich,“ sagt der Vater. „Deshalb habe ich ihn auf die Schule geschickt.“ Er selbst hatte diese Chance nicht, er kann kaum lesen und schreiben. Bis vor einem Jahr arbeitete er noch in einer ande- ren Fabrik. Etwa 50 gibt es in der näheren Umgebung. Stahl, Zement, Kies. „Mein letzter Job war besser,“ sagt Pramod Patel. „Dort habe ich mehr verdient.“ Doch die Firma ging bankrott, und von einem Tag auf den anderen war Herr Patel seine Arbeit los. „Am gefährlichsten ist es, wenn die Arbeiter einmal krank werden,“ sagt Schulleiter Fr. Sani, D>> Du musst einen Traum haben, der genauso groß ist wie dein Dorf. Als die jungen Schüler diese Worte hören, nicken sie und denken nach. Gesagt hat den Spruch Fr. Sani Va- dayat Tukunnel, ein Priester aus In- dien, der die „Little Flower School“ in Nepal leitet. Es ist Pause, die Schüler sind auf den Schulhof ge- strömt, und zwischen Englisch- und Mathematik-Stunde unterhält sich der Schulleiter mit einigen von ih- nen, fragt sie nach ihren Berufszie- len. „Ich will einmal Arzt werden,“ sagt ein Dreizehnjähriger. „Compu- ertechniker“, sagt sein Klassenkame- rad. Ein anderer Junge sagt: „Und ich will nach Malaysia gehen. Dort arbeiten schon viele Nepalesen und verdienen gutes Geld.“ Es mögen die Träume von Heranwachsenden sein, wie man sie auch anderswo hö- ren kann. Und doch wird deutlich, was junge Menschen in diesem Teil der Welt bewegt: Sie möchten etwas anderes werden, als sie schon sind. Sie suchen nach einem Ausweg aus dem Leben, in das sie hineingeboren wurden. Ihre Heimat Birgunj ist eine Industriestadt mit mehr als 230 000 Einwohnern im südlichen Teil von Nepal. Die Strecke zwischen Bir- gunj hinüber ins indische Raxaul gilt als „Tor nach Indien“, weil etwa zwei Drittel des gesamten Waren- verkehrs zwischen beiden Ländern über diese Route läuft. Entspre- chend hoch ist das Verkehrsaufkom- DORFCHEF MADAN: „FRÜHER GAB ES HIER VIEL KRIMINA- LITÄT UND GEWALT.“ missio magazin 1/2015 25 Industriestadt mit mehr als 230000 missio magazin 1/201525

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