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missio_ebooks_01_2015

missio magazin 1/201526 Industriegebiet: Bei „Himal Iron and Steel“ entstehen Bau- träger aus Eisen und Stahl für neue Häuser in ganz Nepal. Arbeiter Pramod Patel (o.r.) ver- dient etwa 400 Rupien am Tag. der die meisten Eltern seiner Schüler gut kennt. „Dann leidet die ganze Familie darunter. So bleiben die Armen immer arm, und werden sich nie hocharbeiten können.“ Es sind Widerstände wie diese, mit denen er zu kämpfen hat, seit er vor gut fünf Jahren die Leitung der „Little Flower School“ übernommen hat. Familien aus höheren Kasten sagen ihm: „Wenn ihr Kinder aus den unteren Kasten aufnehmt, dann werden wir unsere Kinder nicht auf eure Schule schicken.“ Auch viele Fabrikbetreiber seien misstrauisch. Was, wenn plötzlich alle einfachen Arbeiter ihren Kindern eine Schul- bildung ermöglichen können? Wer wird dann in Zukunft noch die ein- fachen, billigen Arbeiten überneh- men wollen, Kohle schaufeln, Zementsäcke schleppen, Lastwägen beladen? 550 Mädchen und Jungen gehen auf die Schule - die meisten kommen aus den Dörfern rund um Birgunj aus ärmsten Verhältnissen. Aber auch Kinder aus Mittelklassefami- lien sind darunter. Die Schulpause ist zu Ende, jetzt präsentieren die achten Klassen eini- ge Experimente aus dem Physik- unterricht. Ein Mädchen erklärt stolz, wie elektrischer Strom funk- tioniert. Mit Drähten und einer klei- nen Batterie bringt sie ein Glüh- lämpchen zum Leuchten. Ihre Mit- schüler staunen. „Wenn ich groß bin, will ich Ingenieurin werden,“ sagt die 14-Jährige. „So wie mein Vater. Er arbeitet drüben in der Fabrik.“ Drüben, bei „Himal Iron“ Ohne die Fabrik würde es die Schu- le nicht geben, denn sie wurde auf Initiative der Eigentümer gegrün- det. „Himal Iron“ gehört zur „Jyoti Gruppe“, einem über 50 Jahre alten Großkonzern, der Traktoren und Landmaschinen aus Japan und den USA importiert, Bauunternehmen beliefert und sogar ein eigenes Reise- büro betreibt. Der heutige Eigentü- mer Padma Jyoti und seine Frau gin- gen beide in Indien auf katholische Schulen. Deshalb wollten sie auch in Birgunj eine Schule unter kirchli- cher Leitung gründen. Zunächst auf dem Werksgelände, und seit 2008 auf einem Grundstück, das Familie Jyoti der Kirche schenkte. Heute steht bei „Himal Iron“ die Produktion still. Eine Walzmaschi- ne soll repariert werden, aber die nötigen Ersatzteile müssen eigens aus Indien hergebracht werden. „Das kann bis nächste Woche dauern,“ seufzt R.L. Rimal. Er ist der Werks- leiter, 54 Jahre alt, und arbeitet seit 26 Jahren hier. „Die Auftragslage ist gut,“ sagt er. Besonders in der Hauptstadt Kathmandu werde so viel gebaut wie nie zu vor. 50 Fabriken in der näheren Umgebung Demnächst soll wohl sogar der internationale Flughafen von Kath- mandu hierher verlegt werden. Gemeinsam mit den Chinesen ent- stehen neue, breite Straßen, dann würde die Fahrt von der indischen Grenze bis nach Kathmandu nicht mehr sechs bis acht Stunden dau- ern, sondern nur noch zwei oder drei. Und die Region um Birgunj dürfte einen weiteren Aufschwung erleben. Gute Aussichten also für Werksleiter Rimal, und seine Firma „Himal Iron“. Wenn er aus dem Fenster blicken würde, dann könnte er sehen, wie Pramod Patel und seine Kollegen arbeiten. Ohne Helm, ohne Sicherheitsschuhe, in einfachen Sandalen. Einer kniet ge- rade auf einer Ladung Stahlträger und schweißt sie auseinander. Ist vor ort nepal WERKSLEITER RIMAL: „DIE SCHULE HÄTTEN WIR SCHON VOR 50 JAHREN GEBRAUCHT.“

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