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missio_ebooks_01_2015

missio magazin 1/2015 37 milienhofes mit einem Schlag her- ausgeworfen zu werden, heißt, auch noch den Glauben fast verloren zu haben, der für diese Menschen etwas Grundlegendes bedeutet. Flüchtlingseinistimmerschlecht, ist keine dauerhaft menschenwürdi- ge Existenz, so dass die Welt alles tun muss, dass der Flüchtlingsstatus sich ändert. Khalil erzählt, dass er aus dem Bett herausgeworfen wurde, als die Terrormiliz IS kam. Khalil und seine Familie haben noch den Groß- vater und die Großmutter im Dorf, die dort auf den Besitz der Familie aufpassen. Manche der Flüchtlinge organisieren ein Kommen und Ge- hen mit dem eigenen Auto nach Sin- jar oder in die Region. Flüchtling sein bedeutet für die Weltgemeinschaft, die Versorgung dieser Menschen zu organisieren. Das ist ein wirklicher Fortschritt, denn es gibt dafür Geld, es gibt dafür Mittel. Das Riesenzeltlager in Khanke ist sicher gut für den Mo- ment, weil da 15 000 Menschen un- terkommen können. Aber das Lager hat nichts für das verwundete Herz der Flüchtlinge, für die Seele, die danach dürstet, eine Nachricht von zu Hause oder von der Weltpolitik zu bekommen: Wann, bitte wann, werden wir in unsere Heimatgebiete zurückkommen können? Wettlauf gegen die Zeit Die kurdisch-irakische Gesellschaft hat sich hier sehr geändert. Es ist so viel gebaut worden, dass ich die Gegend aus der Zeit der Vertrei- bung der Kurden durch Saddam Hussein von 1991/1992 nicht mehr wiedererkenne, sowohl von der tür- kischen als auch von der kurdischen Seite nicht. Beide Seiten haben sich vollkommen in der Infrastruktur geändert, beide haben Anschluss an im vordergrund nordirak Foto:dpa den globalisierten Weltmarkt. Im türkischen Sirnak, wo damals die von Saddam verjagten Kurden unterkommen durften, gibt es jetzt einen nationalen Flughafen, die tür- kische Straße nach Habur an die Grenze wird neu aufgebaut mit As- phalt und vier Spuren, so dass der Verkehr gut laufen kann. Im Mo- ment ist die Stimmung natürlich im Keller, denn IS hat alles zerstört; der Tourismus läuft nicht mehr, der von der Türkei und vom Iran her eine große Einnahmequelle war. Die Hotels sind voll mit den reichen Flüchtlingen, die es in dieser Ge- sellschaft eben auch gibt. Das Konzept des immer noch viel zu umständlichen und bürokra- tischen UNHCR besteht darin, 15 große Lager einzurichten, von denen es schon drei geben soll. Zwei davon habe ich gesehen, eines ist für 2 500 Familien, ein zweites für 2500 Fami- lien ausgelegt. Die zwölf anderen sind vielleicht ausgemessen. Es fängt jetzt ein Wettlauf mit der Zeit an. Im November hat die Kälte ange- fangen, der Regen kommt. Die Zelte in den Großlagern müssen winterfest sein. Der Wettlauf mit der Zeit kann nur mit Deutschland gewonnen wer- den. Die Bundesregierung wäre gut beraten, die 2000 Container zu be- sorgen und schnellstens zu verschif- fen, damit sie noch rechtzeitig Kin- der und alte Menschen aufnehmen, bevor es kalt wird. Die Hilfsorganisa- tionen sollten den Mut haben, hier- herzukommen und sich in ein oder zwei Lagern das Ziel setzen für eine Pionierarbeit, nämlich mit den Flüchtlingen die schreckliche Zeit der Flucht und Vertreibung zu über- stehen. Filme sollten gezeigt werden, Informationen gegeben werden. Die Religionen haben Gott sei Dank in Kurdistan alle den Freiraum, den sie auch in den Lagern jetzt brauchen. Kein Dauerzustand Deutschland hat sich bei den Kur- den viel Ehre erworben. Die Kurden fühlen sich zum ersten Mal richtig anerkannt. Man schätzt die deutsche Hilfe, man schätzt, dass der Außen- minister und die Verteidigungs- ministerin und der Fraktionsvor- sitzende der CDU-CSU-Bundes- tagsfraktion Volker Kauder aus Deutschland schon in Erbil waren. Falls sich das IS-Problem im Nordirak und in Syrien nicht än- dert, müsste das kleine Kurdistan an die Ansiedlung dieser Menschen denken, die ja immerhin die gleiche Sprache sprechen. Das sollte zwar, wenn irgend möglich, verhindert werden, aber man weiß es ja nicht, wie weit die- ser Fanatismus gehen wird und in welchen Zeiträumen er bezwungen werden kann. Flüchtlingslager dürf- ten nicht über den Juli 2015 hin- ausgehen. Flüchtlingslager sind der Tod für die menschliche Existenz einer Familie oder eines Einzelnen: Er ist nichts mehr wert, er ist kein Subjekt, er kann und soll nicht für sich sorgen. Es darf nur eine kurze Zeit sein, dass man das so macht. Aufnahme in Europa – das dürfte nur die allerletzte Lösung sein. In Gesprächen in Kurdistan bekam ich heraus, dass man dort eher die Ansiedlung in der Region vorziehen würde. Menschen fühlen sich am besten in der Heimat oder in der Nähe der Heimat. Der Präsi- dent Barzani sollte für die beispiel- lose Leistung Kurdistans ausge- zeichnet werden, in dem es einen Besuch unseres Staatspräsidenten und oder unserer Bundeskanzlerin gäbe. << Rupert Neudeck setzt sich seit Jahrzehnten für Menschen in Kriegs- und Krisen- gebieten ein. missio magazin 1/201537 ment, weil da 15000 Menschen un- habe ich gesehen, eines ist für 2500

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