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missio_ebooks_01_2016

18 | missio 1/2016 lien, die nun hier sind. Nun, seit das Leben in Syrien jeden Tag den Tod be- deuten kann, haben sie endgültig hier ihre Zelte aufgeschlagen: 10 000 Muslime aus Syrien bei den 10 000 christlichen Einwohnern von Deir el Ahmar. Dass die Kapazitäten nahezu erschöpft sind, spürt und hört man allerorten. Aber auch, und das ist bemerkenswert, dass das Zusammenleben friedlich verläuft, dass es keine signifikante Zunahme an Gewalt, an Unsicherheit gibt. Miled Akoury, Vorsitzender des Stadt- rats, kennt die Zahlen und die damit ver- bundenen Realitäten: „Heute ist wieder ein Schreiben eingetroffen, in dem einer unserer Bürger 15 syrische Familien als Erntehelfer einstellen will. Da frage ich mich schon: Wo sollen die Zelte stehen? Geht das?“ Akoury, ein Bauingenieur, der Jahre in Dubai und Bukarest gearbeitet hat, versucht, die Dinge geordnet zu hal- ten. „1975 hatten wir wegen 400 000 Pa- lästinensern Krieg. Daher sind wir vor- sichtig mit den derzeit mindestens 1,5 Millionen syrischen Flüchtlingen im Land. Wir wollen nicht, dass sich unsere Gesell- schaft komplett verändert.“ Doch dann sagt er noch etwas Wesentliches: „Aber was soll man tun, wenn die Leute in Sy- rien nicht mehr leben können? Es ist doch selbstverständlich, dass wir helfen.“ Für Ahmad, das Geburtstagskind, und die vielen anderen Kinder ist die größte Hilfe die Schule. Die öffentlichen Schu- len haben sich spät auf die Flüchtlings- kinder eingestellt, die dem Lehrplan, der im Libanon französisch geprägt ist, nur mit Mühe folgen können. 450 Kinder be- suchen die Schule der Schwestern vom Guten Hirten. „Vormittags unterrichten wir die Kinder der Flüchtlingsfamilien. Nachmittags kommen libanesische Kin- der, deren Eltern sie nicht schulisch un- terstützen können“, sagt Sr. Amira Tabet. Die Ordensfrau aus dem nahe gelegenen Baalbek hat in Albanien, im Senegal, in Frankreich gearbeitet. Und vier Jahre lang in Syrien. „Daher verstehe ich die Mentalität der Syrer besser als manch anderer, denke ich. Dort war manches möglich. Aber die Politik war tabu“, sagt sie. Sie weiß auch, wie wichtig es ist, dass auch libanesische Kinder Zugang zum gefragten Unterricht an ihrer Schule erhalten. „Unsere Gesellschaft steht vor einer Zerreißprobe: Wir stek- ken tief in der Wirtschaftskrise, wir haben keine funktionierende Regierung und wir haben Millionen Flüchtlinge im Land. Da darf man keine Ungleichheiten schaffen, sondern muss auch die einbe- ziehen, die selbst arm sind und trotzdem andere aufnehmen.“ VOR ORT LIBANON MILED AKOURY: „Aber was soll man tun, wenn die Leute in Syrien nicht mehr leben können? Es ist doch selbstverständ- lich, dass wir helfen.“ ihre Zelte aufgeschlagen: 10000 Muslime aus Syrien bei den 10000 christlichen ten. „1975 hatten wir wegen 400000 Pa-

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