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missio_ebooks_01_2016

25missio 1/2016 | BLICKWECHSEL PRIESTER Seit zwanzig Jahren setzen sich der Großimam von Pakistans zweitgrößter Moschee, Maulana Abdul Khabir Azad, und der Dominikanerpater James Channan gemeinsam für ein friedliches Miteinander zwischen Muslimen und Christen in Pakistan ein. Eine Vision, für die es einen langen Atem braucht. sehen, dann erst als Pakistani. An Channan und seinem Mitstreiter Maulana Abdul Kha- bir Azad sieht man jedoch, dass unterschiedlicher Glaube auch vereint. Die beiden Männer, die sich seit zwanzig Jahren kennen, setzten in Pakistan gemeinsam öffentliche Zeichen für den Frieden. Als im vergangenen Jahr ein christliches Paar be- schuldigt wurde, den Koran ge- schändet zu haben und kurz da- rauf von einem wütenden Mob getötet wurde, waren Channan und Azad eine der ersten vor Ort um die Tat zu verurteilen. Um wirklich erfolgreich zu sein, müsste das Thema inter- religiöser Dialog in jedem Be- reich der Gesellschaft veran- kert sein, sagt Channan. In den Familien, in den Schulen, in der Politik und in den Medien. Deshalb sind Channan und sein Team in allen sozialen Schich- ten unterwegs. Doch Frieden in Pakistan heißt nicht nicht nur, ein paar Vorurteile gegenüber der jeweils anderen Religion aus demWeg zu räumen. Jahrhundertealte nicht überwundene Rivalitäten innerhalb des Islam, Machtkämpfe und geopolitisch motivierte Interventionen des Westens halten die gesamte Region im Nahen und Mittleren Osten auf Trab. Nach den Anschlägen am 11. September 2001 wird Pakistan zum Ziel im amerikani- schen Krieg gegen den Terror. US-Drohnen töteten Terroristen, aber auch Zivilisten. Die Rache dafür richtete sich gegen die Christen im eigenen Land. „Auf einmal wurden wir als Verbün- dete des Westens wahrgenommen“, sagt Channan. Bis zu 60 000 Menschen sollen in Pakistan in den letzten zehn Jahren durch Terroranschläge und Militäraktionen ums Leben gekommen sein. Ein stabiles Pakistan hängt von vielen Faktoren ab. „Es ist eine lange Reise“, sagt Channan. „Oft gehen wir zwei Schritte vor und einen wieder zurück.“ A STEFFI SEYFERTH ALS CHRIST GEHÖRT James Channan in Pakistan einer Minderheit an. Von klein auf ist er es gewöhnt, dass die meisten Menschen um ihn he- rum Muslime sind. Sein Vater arbeitet als Kuhbauer bei einem Muslim, die Freundinnen seiner Mutter sind Muslima. An mus- limischen Festtagen schenkt die Familie den Nachbarn Süßig- keiten, an Weihnachten be- kommt sie von ihren muslimi- schen Freunden Geschenke. Als ältestes von sieben Ge- schwistern wächst Channan in der Stadt Okara, etwa 100 Ki- lometer entfernt von Lahore, auf. Als er aufs College geht, ist er einer der wenigen Christen. Es spielt keine Rolle. Channan wird behandelt wie jeder an- dere. Seine Kindheit und Ju- gend hat er als friedliche, schöne Zeit in Erinnerung. Doch 1979 ändert sich alles. Nach einem Militärputsch über- nimmt General Muhammed Zia ul-Haq die Macht. Schritt für Schritt leitet er die vollständige Is- lamisierung des Landes ein. Die Scharia wird zur Rechtsgrund- lage, wer schlecht über den Propheten Mohammed spricht, muss mit der Todesstrafe rechnen. Die muslimischen Ahmadis dürfen sich nicht mehr als Muslime bezeichnen. Die systemati- sche Ausgrenzung religiöser Minderheiten beginnt. Heute, 36 Jahre später, ist Fr. James Channan einer der welt- weit anerkanntesten Botschafter für interreligiösen Dialog. Er leitet das von den Dominikanerbrüdern gegründete „Peace Center“ in Lahore und hat mehrere Bücher und Artikel zu dem Thema verfasst. Als gefragter Redner reist er regelmäßig nach Europa, Asien und Amerika. Im September dieses Jahres berichtete er auf Ein- ladung des amerikanischen Präsidenten Obama auf einer Kon- ferenz im Weißen Haus von seinen Erfahrungen im christlich- muslimischen Dialog. Channan findet, dass Religion Privatsache sein sollte – mehr nicht. Dennoch würde er sich zuerst als Christ James Channan (63) Priester aus Pakistan „ZUERST BIN ICH CHRIST, DANN ERST PAKISTANI.“ Bis zu 60000 Menschen sollen in Pakistan in den letzten zehn

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