Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

missio_ebooks_01_2016

28 VORSICHT SATIRE | missio 1/2016 EIN IDYLLISCHER verschnei- ter Bauernhof in Oberbayern, Spät- nachmittagsstimmung, es wird bald dunkel, im Bauernhof sind die Lichter an, in der Stube blaues Fernsehlicht- flimmern. Die sakral-gedämpfte Reporterin steht dem besoffenen Gschwendtnerbauern im Hof gegen- über. Gschwendtner: Abfent, Abfent ein Lichtlein prennt, Abfent, hein Lichtlein preennt ... Geschwendtner gönnt sich wieder einen Schluck Bier, rülpst, torkelt. Reporterin: Ja, das war sehr schön, und nun schreitet der Herr des Hofes, Herr Gschwendtner, auf uns zu, und nun gleich die Frage: Äh ... Herr, ah ... Gschwendtner: Ja? Reporterin: Herr Gschwendtner, Advent scheint ja auch im Oberbayerischen ... Gschwendtner: Ja. Reporterin: ... eine alte, uralte Tradition zu sein. Gschwendtner: Ja, des is wahr, Abfent, net, des is quasi aso, ein Abfent, net ohne Abfent, des waar prak- tisch so gut wia überhaupts kein Abfent. Und drum, mir können’s auch kaum mehr derwarten. Reporterin: Das ist ja hochinteressant, was uns Herr Gschwendtner hier erzählt ... Und was ist nun das Typische an dieser typisch bayrischen, uralt-christ- lichen, äh, Tradition? Gschwendtner: Ja mei, es is doch aso, net, sagen mir amal, mir können’s halt kaum mehr derwarten, weil bis mir allweil Abfent feiern, net, mir ham also, ah Ding, as Fruahjahr, net, is dazwischen, nacha hamma an Fruahsommer, net, a geht’s in Sommer nei ... Reporterin: Herr Gschwendtner, äh ... Gschwendtner: Wia? Rülpst. Reporterin: Nein, nein ... Gschwendtner: Was is? Reporterin: Nichts. Gschwendtner: Is was? Reporterin: Nein, ah ... Gschwendtner: Was wolln S’denn nachert? Oiso, ah, an Summa hamma scho ghabt, net, nachert kimmt da Spaatsumma, des geht ja quasi bis in’n Herbst, net, und nachert is allwei no a Zeitlang hin, gell, bis dass ma sagn kunnt, dass’s asoweit is, und wenn ma na- chert an Abfent ham, ah, nachert sagt ma si, ja, jetzad, net, jetzad geht’s quasi, also jetzt samma soweit,dass’s bald is, und mir können’s ja kaum derwarten, net, weil mir scho ganz unruhig und nervös san – bis’s soweit is. Reporterin: Ja, das ist verständlich, äh ... Sie haben hier in alter Tradition ... gibt es wahrscheinlich irgend- welche spezifischen Backwaren an Advent. Gebäck? Oder gibt es was Besonderes, was Sie in diesen festli- chen Tagen zu sich nehmen? Gschwendtner: Ja mei, gell, mir trinken an Abfent, also, da essen mir – an Schweinsbratn gibt’s, net, und an Knödel, wie an und für sich sonst auch, mir trinken ein Bier, ah, i trink allweil praktisch, ich hab also, mir ham also des in dem Sinn jetzt nicht ... aber Abfent, sagen mir mal, is doch, ah – die Zeit der Erwartung. Trinkt. Reporterin: Schön. Sehr schön. Advent heißt: Erwar- ten. Und worauf richter sich eigentlich die Erwartung, Herr Gschwendtner? Gschwendtner: Ja mei, des is aso, net, und dann, des is ja doch eine Zeit, wo man sich darauf besinnt, net, weil’s ja nachert doch ernst wird. Und des is, man muss sich schon Gedanken machen, ich mein, warum man auch, sagen mir mal, vom Herzen des kimmt, und mir also doch des auch ernst nehmen, Reporterin: Ja, wir wollen diese Andacht nicht zerstö- ren, und nun singt Herr Gschwendtner noch eines die- ser herrlichen inbrünstigen Adventslieder. Die Reporterin gibt Gschwendtner einen Fünfzigmark- schein. Gschwendtner verstaut das Geld und singt dabei Abfeend, Abfeend, hein Lichtlein preennt ... Sie, des duat ma leid, i muaß jetz nei, d’Sportschau fangt o ... Abfent, hein Licht-lein ... Er stolpert und fällt hin. Sackl- zementzefixhallelujahimmiarschundzwirnvareck!!! Reporterin: Wir bedanken uns, und damit geben wir zurück ins Studio. A GERHARD POLT Gerhard Polt (73), gehört zu den Meistern des deut- schen Kabaretts. Bekannt wurde Polt durch die Sketchreihe „Fast wie im richtigen Leben“, die in den 1970ern erstmals in der ARD gesendet wurde. Seit- dem begeistert er seine Fans als Experte bayrischer Wesensart und mit seinen typischen Figuren als Spießbürger. Der in Mün- chen und Altötting aufge- wachsene Kabarettist ist ein messerscharfer Beob- achter seiner Umwelt. Immer wieder schafft er es, selbst kleinste Alltagssitua- tionen in wunderbar amü- sante Satire zu verwandeln. „Die Zeiten für Satire sind immer gut. Sie stirbt nicht, solange der Mensch menschelt“, sagt Polt. Gerhard Polt, Abfent Erschienen in Gerhard Polt, Circus Maximus, Copyright @ 2002/2015 KEIN & ABER AG, Zürich – Berlin BIN ICH FROH, DASS ICH NICHT DABEI WAR, ALS ... GLOSSEN ... der Advent begann. Foto:DionysAsenkerschbaumer

Seitenübersicht