Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

missio_ebooks_01_2016

Denn jetzt stehen die beiden Braut- paare vor Pfarrer Peter Rego und ver- sprechen sich die Ehe. Geheiratet wird in weiß – auch die Männer. Beide Frauen tragen schlichte weiße Stoffkleider, Jean de Dieu hat ein weißes Hemd angezo- gen, Patrition Daniel ein weißes T-Shirt. Ein teures Hemd oder gar einen Anzug kann er sich nicht leisten. Aber was macht das schon? Er steckt seiner Frau den Ehering an den Finger. Ein ganz kurzes Lächeln fliegt über sein Gesicht. Dann wird es auch schon wieder Zeit zum Abschiednehmen. Es ist ja bereits nach Mittag, das heißt, einen Teil des Rückwegs werden Pfarrer Peter und Schwester Lova im Dunkeln zurücklegen müssen. Nur mit einer Taschenlampe über die steilen Abhänge, da muss man trittsicher sein. In Tanambao Nord wird am Abend noch die Hochzeit gefeiert. „Bleibt doch noch bei uns“, haben die Dorfbewohner zum Priester gesagt. Sie wollen singen, tanzen, und vielleicht auch trinken. „Ich gehe lieber,“ sagt Peter Rego. „Sonst trauen sie sich das nicht, wenn der Prie- ster da ist.“ Ein guter Missionar weiß eben, was die Menschen brauchen und wie er ihnen beistehen kann. Und wann er bes- ser wieder gehen sollte. A 37missio 1/2016 | Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Welt. Obwohl sie geographisch zu Afrika zählt, hat die Mehrzahl ihrer rund 23 Millionen Einwohner Wurzeln in Südostasien. Von dort kamen vermutlich Seefahrer über den Indischen Ozean und landeten auf der Insel. Die madagas- sische Sprache hat deutliche Ähnlichkeiten mit den Sprachen Indonesiens und Malaysias. Von 1896 bis 1960 war die Insel Teil des französischen Kolonialreiches. Zuvor gab es das tra- ditionelle Königreich der Merina, das den europäischen Eroberern lange widerstand. Heute gelten Vanille und Kaffee als wichtige Exportprodukte. Auch die neuartige Reisanbaume- thode SRI wurde in den 80er-Jahren auf Madagaskar entwickelt und verbreitete sich in alle Welt. In jüngerer Zeit sind es vor allem Rohstoffe wie Gold, Titaneisen oder auch Tropen- hölzer, die das Interesse ausländischer Investoren weckten. Politisch ringt die Insel seit Jahren um Stabilität. 2001 endete die Ära des seit 1975 (mit Unterbrechungen) regierenden Didier Ratsiraka. Sein Nachfolger war Marc Ravalomanana. Nach dem Umsturz von 2009 setzte sich der Bürgermeister der Hauptstadt, Andry Rajoelina an die Spitze einer Über- gangsregierung. Seit 2013 regiert nun der frühere Finanzminister Hery Rajaonarimam- pianina. Seine Amtszeit wird begleitet von Korruptionsvorwürfen und Streiks, etwa bei der nationalen Fluglinie Air Madagascar. MADAGASKAR Ein guter Missionar weiß eben, was die Menschen brauchen und wie er hnen beistehen kann. Und wann er besser wieder gehen sollte.

Seitenübersicht