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missio_ebooks_01_2016

39missio 1/2016 | Dschibuti bleibt Drehkreuz für afrikanische Auswanderer auf dem Weg nach Arabien - und für Flüchtlinge aus dem Jemen KRIEG IST GUT FÜRS GESCHÄFT. Bisher war derWeg von Dschibuti in Ostafrika über die Meerenge hinüber nach Je- men eine beliebte Route für Schleuser, die Flüchtlinge von Afrika auf die arabische Halbinsel schmuggeln wollen. Daran hat auch der bewaffnete Konflikt im Jemen nur wenig geändert, der 2014 wieder aufflammte. Im Gegenteil. „Die Schleuser ver- dienen jetzt sogar doppelt,“ sagte Giorgio Bertin, katholischer Bischof von Dschibuti bei einem Besuch bei missio in München. „Denn jetzt können sie die Menschen in beide Richtungen trans- portieren.“ Die einen wollen der Not in afrikanischen Krisen- ländern wie Eritrea und Somalia entkommen, die anderen flie- hen nun vor der Gewalt aus dem Jemen. Viele Afrikaner würden sich vom Krieg im Jemen sowieso nicht abhalten lassen, sagt Bertin. „Oft haben sie schon den Schleuser bezahlt und können nicht mehr zurück. Andere wissen gar nicht, dass es dort Krieg gibt. Und wieder andere denken: Wenn dort das Chaos herrscht, können wir den Je- men unbemerkt durchqueren und weiterreisen ins nächste Land.“ In Dschibuti kümmert sich die Kirche um Menschen, die auf der Durchreise gestrandet sind. Es gibt Ausbildungskurse für Er- wachsene, Kinder bekommen eine Schulbildung. Bischof Bertin ist außerdem zuständig für Somalia. 1989 wurde dort der amtierende Bischof durch Islamisten ermordet. Regel- mäßig reist Bertin in die Hauptstadt Mogadischu, jedoch nur unter großen Vorsichtsmaßnahmen. Er darf sich nicht als Ver- treter der Kirche zu erkennen geben. „Wir hoffen aber auf Veränderung,“ gab sich Bertin zuversichtlich – wenige Tage vor einem erneuten Anschlag auf ein Hotel, bei dem mindestens neun Menschen starben. A ES WAR EINER DER GRAUSAMSTEN ANSCHLÄGE, die Kenia je erlebt hat. An Ostern 2015 drangen bewaffnete Attentäter auf das Gelände der Universität von Garissa ein. Gezielt wählten sie christliche Studenten und Lehrer aus und töteten 148 von ihnen. Inzwischen sind die Hintergründe kla- rer: Fünf Männer werden beschuldigt, die Tat im Auftrag der Terrorgruppe al-Shabab ausgeführt zu haben. Vier Kenianer und ein Mann aus Tansania stehen vor Gericht. Aber damit sind die Wunden nicht verheilt. „Wir leiden noch immer an den Nachwirkungen“, berichtet der katholische Weihbischof Joseph Alessandro aus Garissa bei einem Besuch bei missio in München. Die Universität und mehrere Schulen seien noch immer geschlossen. „Aber wir hoffen, dass einige im Januar wieder aufmachen.“ Aus Angst vor neuen Anschlägen haben jedoch viele Lehrer ihren Job gekündigt, und viele Eltern schicken ihre Kinder vorsichtshalber nicht mehr zur Schule. Garissa und die gesamte Region nahe der Grenze zu Soma- lia werde von Islamisten unterwandert, so der Bischof. Beson- ders das nur 100 Kilometer von Garissa entfernte Flüchtlingsla- ger Dadaab gilt als gefährlicher Ort. Unter den mehr als 500 000 somalischen Flüchtlingen finden immer wieder Terroristen Un- terschlupf. „Sie verstecken sich dort, um Anschläge zu planen.“ Unmittelbar nach dem Angriff an Ostern forderte deshalb die kenianische Regierung die Vereinten Nationen auf, das Flücht- lingslager zu schließen. Die UNO lehnte ab. Wenn man die Flüchtlinge zwangsweise in ihre völlig zerstörte Heimat zurück- schicken würde, hätte das schwerwiegende humanitäre Folgen und würde den Terrorismus erst recht begünstigen, erklärte UN- Flüchtlingskommissar Antonio Guterres. A CHRISTIAN SELBHERR Nach den Anschlägen von Garissa ist die Angst vor Terror in Kenia weiter groß Die Schleuser verdienen doppelt Ständiger Begleiter Im Hafen von Tadjoura in Dschibuti. Angeklagt: Fünf mutmaßliche Terroristen der al-Shabab vor Gericht in Kenia. ger Dadaab gilt als gefährlicher Ort. Unter den mehr als 500000

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