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missio_ebooks_01_2016

43missio 1/2016 | MISSIO FURCHTLOS Lory Obal setzt sich seit über 30 Jahren für Frieden, Solida- rität und Menschenrechte auf der philippinischen Insel Mindanao ein. Die Rechte der indigenen Bevölkerung liegen ihr dabei besonders am Herzen. Lange Zeit engagierte sich die 52-Jährige als kirch- liche Mitarbeiterin in diesem Bereich, bevor sie 2009 ihre eigene Organisation gründete: Das „Interkulturelle Netzwerk für Solidarität und Frieden“ (ICON-SP). Weitere Informationen unter: www.missio-furchtlos.de „OB ICH FURCHTLOS BIN? – Sagen wir mal so, ich weiß genau, was es bedeutet, Angst zu haben, aber ich versu- che, diese Angst zu überwinden, um meine Arbeit machen zu können.“ Lory Obals Arbeit beginnt in den 1980er Jahren, als sie mit der Unterstüt- zung des damaligen Bischofs von Kida- pawan, Orlando Quevedo, anfängt, sich für die indigene Bevölkerung auf Minda- nao einzusetzen. Die Geschichte der zweitgrößten Insel der Philippinen ist geprägt durch jahr- zehntelange Konflikte. Hier leben die meisten Muslime des mehrheitlich christ- lichen Landes, verschiedene indigene Völ- ker und Christen. „Immer wieder wird erzählt, dass diese Konflikte religiös mo- tiviert sind, doch wenn man sie genau analysiert, sieht man, dass die Religion nicht der Grund dafür ist“, sagt Lory Obal. „Es ist vielmehr ein Interessenskonflikt bei dem es um Land und Rechte geht.“ Die Insel – einst dünn besiedelt durch indigene Völker und die philippinischen Muslime, auch genannt Moro, veränderte sich ab den 1950er Jahren stark. Damals begann die philippinische Zentralregie- rung mit Unterstützung der ehemaligen Besatzungsmacht USA, christliche Siedler systematisch aus dem Norden des Landes in das südliche Mindanao umzusiedeln. „Ein großes Problem war dabei, dass die Regierung Landflächen an die Sied- ler vergeben hat, die seit Jahrhunderten von den Indigenen und den Moro ge- nutzt wurden“, sagt Lory Obal. „Das Kon- zept von Landtiteln und Landbesitz gab es bis dahin bei den Indigenen überhaupt nicht.“ Bis heute kommt es deshalb immer wieder zu Streitigkeiten und be- waffneten Kämpfen. Hinzu kommt, dass Mindanao voller Bodenschätze ist. Ausländische Investo- ren und große Minenkonzerne haben die Insel für sich entdeckt. In den Bergen schlummern riesige Goldvorkommen. Aber in den Bergen wohnt auch ein Groß- teil der indigenen Be- völkerung. Immer wieder werden Minengegner tot aufgefunden Von der philippini- schen Regierung kön- nen sich die Menschen auf Mindanao keine Unterstützung erwar- ten, sie steht auf der Seite der Konzerne. So- gar das Militär wurde mobilisiert, um in den wirtschaftlich interes- santen Gebieten Präsenz zu zeigen und die Menschen einzuschüchtern. Immer wieder kommt es vor, dass Minengegner verschwinden und kurze Zeit später ir- gendwo tot aufgefunden werden. Den Kampf gegen die geplante Zer- störung ihrer Lebensräume fechten die Menschen ohne Unterstützung des Staa- tes aus. Allen voran: Lory Obal. Durch sie haben die Menschen aus den Bergen überhaupt erst erfahren, was die geplan- ten Minenprojekte für sie selbst und die Umwelt bedeuten würden: Umsied- lungen, Abholzungen des Waldes, Ver- schmutzung der Flüsse, Verlust der ge- samten Lebensgrundlage. Lory Obal kämpft auf allen Ebenen: Unermüdlich klärt sie die betroffenen Menschen auf, steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite; mutig und offen konfron- tiert sie die militärischen Wachposten mit Vorwürfen aus der Bevölkerung; und immer wieder schreibt sie an die Zentral- regierung. „Ich kann gar nicht mehr zäh- len wie viele Petitionen und Briefe wir schon nach Manila geschickt haben“, sagt sie. Erfolgreich waren sie bisher nicht. Doch Lory Obal hat einen starken Wil- len. „Es ist ein langer Kampf“, sagt sie. „Aber wir können nicht aufhören und werden keine Sekunde schlafen, sonst setzen sie sich durch.“ A STEFFI SEYFERTH Wir werden keine Sekunde schlafen

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