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missio_ebooks_01_2016

50 | missio 1/2016 Wie geht es Maria Magabe? In Ausgabe 4/2015 berichtete das „missio magazin“ über junge Mädchen, die vor der sogenannten Beschneidungszeit in Tansania fliehen – und über die junge Maria Magabe, die nicht mehr rechtzeitig gerettet werden konnte. Maria hat überlebt. WIEDERSEHEN IN TANSANIA AUCH JETZT NOCH, genau ein Jahr später, kann es Mama Regina nicht verstehen. „Die eigene Mutter hat sie verraten!“ sagt die Frauenrechtlerin aus Musoma in Tansania. Weil die Mutter den entscheidenden Hinweis gab, wurde das Mädchen Maria Magabe in ihrem Versteck entdeckt und zur Beschneidung geführt. Bis zuletzt hatte die 16-Jährige auf Rettung gehofft. Es war vergebens. Maria überlebte. Doch die schreckli- chen Ereignisse verfolgen sie bis heute. Regina Mukama, genannt Mama Regi- na, kümmert sich um sie. „Aber es geht ihr nicht gut“, berichtet sie. Zwei Mal habe sie versucht, sich das Leben zu neh- men. Sie schluckte eine ganze Hand voll Schmerztabletten, weil sie das Weiterle- ben nicht mehr ertrug. Gerade noch rechtzeitig wurde sie gerettet. Maria Magabe hat zur Zeit keinen Kontakt mehr zu ihren Eltern. „Aber wie sollte das auch gehen? Wo es doch die eigene Mutter war!“ fragt Mama Regina. Es hat lange gedauert, bis sie die genau- en Hintergründe herausfinden konnte. „Aber jetzt wissen wir, warum Marias Mutter es getan hat,“ sagt Mama Regina. Es ist ein so einfacher wie grausamer Grund. In der Schule hatte Maria einen jun- gen Lehrer kennengelernt. Sie verstan- den sich gut, und verabredeten: „Wenn ich mit der Schule fertig bin, dann wol- len wir heiraten.“ Doch damit war ihre Mutter nicht einverstanden. Beim Volk der Kuria entscheidet die Familie, wer wen heiratet und zu welchen Bedingun- gen. Offenbar gab es einen Konkurren- ten um die Hand der Tochter. Einen, der einen hohen Brautpreis bot. Der aber eine Bedingung stellte: Er wollte kein Schulmädchen, sondern er verlangte ei- ne erwachsene Frau. Und „erwachsen“ heißt „beschnitten“. Nach der Beschneidung floh Maria ins Rettungscamp, das die katholische Kirche während der so genannten Be- schneidungszeit betrieb. Die ungewollte Heirat ist ihr erspart geblieben. Aber auch die Beziehung mit ihrem eigentlichen Freund hat nicht ge- halten. An manchen Tagen muss es ihr so vorkommen, als sei ihr ganzes Leben zerstört worden. An einem einzigen Tag im Dezember des vergangenen Jahres. Aber immerhin, sie geht jetzt wieder zur Schule. Nicht mehr am Victoria-See, wie zuvor. Sondern weit weg in der Großstadt Daressalam. „Wir haben eine Patin aus den USA für sie gefunden“, sagt Mama Regina. „Sie bezahlt ihr das Schul- geld.“ Auch die körperlichen Wunden sollen geheilt werden. Es gibt Ärzte, die verwundete Geschlechtsorgane mit ei- ner Operation wiederherstellen können. Auch wenn das wieder einen schmerz- haften Eingriff bedeuten würde: „Dazu bin ich bereit“ hat Maria zu Mama Re- gina gesagt. „Nichts kann so schlimm sein, als das, was ich schon erlebt habe.“ A CHRISTIAN SELBHERR Mama Regina Mukama mit Maria Magabe im Rettungscamp und oben bei einer Fotoaus- stellung des missio magazins in Eichstätt Foto:JörgBöthling,ChristianSelbherr

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