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missio magazin Ausgabe 02/2012

J missio magazin 2/2012 25 >> Jeder Mensch hat einen Traum, und manchmal passt der Traum schon auf ein Schild aus Blech. Mit diesem Blech hat Hasan Mohamed die Tür zu seinem Grundstück beschlagen, damit sie ein bisschen stabiler in den Angeln hängt als zuvor. Das Metall hat er aus silber- nen Blechbüchsen heraus geschnit- ten, die regelmäßig verteilt werden im Flüchtlingslager von Kakuma. Büchsen mit vier Litern Speiseöl, verteilt von den Vereinten Natio- nen. Der Name des Spenders steht in großen blauen Buchstaben darauf: „USA“. So macht Hasan Mohamed schon am Eingang zu seinem Haus deutlich, wohin er gerne gehen würde: nach Amerika. Und vor allem – weg von hier. Denn er lebt schon viel zu lan- ge im Flüchtlingslager Kakuma, im Norden Kenias. Genau gesagt: seit 1992. Da war Hasan Moha- med 15, als er aus Somalia fliehen musste, weil der Krieg ausbrach. Zwanzig Jahre als Flüchtling hat er nun hinter sich. Dass es Zeit ist, Kakuma zu verlassen, ist ihm vor ein paar Monaten klar geworden, als immer wieder neue Flüchtlinge kamen. Die große Hungersnot am Horn von Afrika hatte sie vertrie- ben, erst über die Grenze nach Kenia ins Lager Dadaab, dann wurden sie weiter geschickt nach Kakuma. Was erwartet diese so ge- nannten „Hungerflüchtlinge“ nun, nachdem sie es lebend in eines der großen Auffanglager geschafft haben und von den Vereinten Nationen mit Lebensmitteln ver- sorgt werden? Sie können es von Menschen wie Hasan Mohamed erfahren, der das alles schon hin- ter sich hat. Die Dürre geht, aber die Krise bleibt. Von knapp 85000 Bewohnern in Kakuma kommen mindestens 45000 aus Somalia. Neben Dolo Ado in Äthiopien und dem ostke- nianischen Dadaab, dem größten FlüchtlingslagerderWelt,istKaku- ma heute der wichtigste Zufluchts- ort für somalische Flüchtlinge. Mütter hoben Kinder hoch und riefen: „Nehmt sie mit“ Entstanden ist Kakuma aber wegen einer anderen Krise: Anfang der 90er-Jahre flohen tausende Menschen aus dem Sudan nach Äthiopien und Kenia. Sie wollten dem Bürgerkrieg mit seinen um- herziehenden Rebellenbanden ent- kommen. Oft wochenlang irrten sie durch Dschungel und Wüste, campierten hier und da, bis sie schließlich in der trockenen, unfruchtbaren Gegend westlich des Turkana-Sees strandeten. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) errichtete ein Auffangzentrum für sie: Kakuma. In der Swahili-Sprache heißt das soviel wie „Nirgendwo“. Manche Sudanesen kamen nicht zu Fuß. Sondern per Flug- zeug. So wie Abdalla Chochombe. „Ich war noch ziemlich klein“, erinnert sich der heute 24-Jähri- ge. Mit ein paar Nachbarsjungen sollte er Ziegen und Schafe hüten. Da kamen Flugzeuge der UNO. „Wir wussten: sie bringen uns Essen, deshalb liefen wir hin. Als Nachbarn in der Not: Das kenianische Volk der Turkana leidet unter der Dürre. Mitten in ihrem Territorium ist das Flücht- lingslager Kakuma entstanden, wo fast jeden Tag neue Flüchtlinge eintreffen – die meisten aus Somalia. Neulinge erhalten eine Zeltplane und einen Bauplatz. Dort sollen sie möglichst schnell ein eigenes Haus bauen. missio magazin 2/201224 vor ort kenia Abhängig von fremder Hilfe: Die Vereinten Nationen versorgen die Flüchtlinge zwei Mal pro Monat mit Nahrungs- mitteln.