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missio magazin Ausgabe 02/2012

missio magazin 2/2012missio magazin 2/201226 die Flugzeuge leer waren, nahmen uns unsere Mütter in die Arme, hoben uns hoch, und riefen den UNO-Leuten zu: ,Nehmt unsere Kinder mit! Nehmt sie mit!‘“ Eine Geschichte, wie sie schon in dem einen oder anderen Afrikathriller im Kino gezeigt wurde - „Aber so war es“, sagt Abdalla Chochombe. Jetzt teilt er sich mit sieben Freunden ein kleines Lehmhaus in Kakuma und sortiert sein Leben, Tag für Tag. Auch er hat einen Traum, und der klebt bei ihm an der Wand. Ein Poster, das einen elegant gekleideten afrikanischen Geschäftsmann zeigt. In blauem, kurzärmeligem Hemd, mit per- fekt sitzender Krawatte und einer Aktentasche unter dem Arm. Das Plakat stammt von einer Hilfsor- ganisation und soll eigentlich eine Warnung sein. Es zeigt noch ein zweites Bild: der gleiche junge Mann, völlig verdreckt am Boden kniend, wie er in einem düsteren Keller den Boden wischt. Das Pla- kat soll vor Menschenhändlern warnen, nach dem Motto: „Pass auf, mit wem du dich einlässt. Sie versprechen dir Ruhm und Reich- tum, aber am Ende musst du den Keller schrubben.“ Jeder andere Ort wäre besser als dieser hier Aber der junge Abdalla schaut auf das zweite Bild und sagt: „Egal. Selbst so ein Job wäre bes- ser, als unser Leben hier.“ Doch so leicht kommt man von hier nicht weg. Verlassen darf das Lager nur, wer eine Reisegenehmigung der kenianischen Regierung vorweisen kann. Und legal arbeiten dürfen Flüchtlinge sowieso nicht. In den großen Städten wie Nairobi und Mombasa gibt es außerdem kaum staatliche Hilfen für Flüchtlinge. Das zuständige Ministerium weist Hilfesuchende an, sich möglichst schnell in den Lagern Dadaab und Kakuma zu melden. „Nur dort er- halten Sie kostenlose Lebensmittel und Gesundheitsversorgung“, erklärt ihnen das Ministerium. Auch wenn die Grundversor- gung mit Lebensmitteln nichts kos- tet: „Geld ist unser größtes Pro- blem“, sagt der junge Sudanese. Das Geld, nicht der Hunger. Wer seine dürftige Zeltplane, die er bei der Ankunft von der UNO erhalten hat, in ein kleines Haus verwandeln will, braucht Werkzeug, Lehmzie- gel, Holz für den Dachstuhl, Blech für das Dach. Das kostet. Ein neues T-Shirt, oder ein Telefonat nach Hause ebenfalls. Deshalb muss jeder Flüchtling versuchen, Geld zu verdienen. Die einen fahren zum Beispiel „Boda- Boda“, das heißt: sie bieten ein Fahr- rad-Taxi an, mit dem sie Flüchtlinge vom einen Teil des Lagers zum ande- ren bringen. Kakuma ist weitläufig: es erstreckt sich auf über 25 Quadrat- kilometer. Andere treiben Handel mit einheimischen Kenianern. Es ist die Volksgrupppe der Turkana, die als Halbnomaden in dem Gebiet leben, und das Camp zum Beispiel mit Brennholz beliefern. Seit man in ihrem Territorium Flüchtlinge an- gesiedelt hat, versuchen sie, sich da- mit zu arrangieren. Lange Zeit wa- ren sie verbittert. Eine Turkana-Frau sagt: „Immer werden zuerst die Flüchtlinge versorgt. Und nur manchmal denken die Leute auch an vor ort kenia Aus dem provisorischen Lager ist im Lauf der Jahre eine kleine Stadt geworden. Zelte und Notunterkünfte wachsen zu Hütten und Häusern heran; es hat sich ein reger Handel entwickelt. Viele Flüchtlinge betreiben inzwischen kleine Geschäfte. Die einheimischen Turkana gehen im Lager ein und aus. Man erkennt sie am bunten Halsschmuck und den gemusterten Stoffumhängen. Sie beliefern die Flüchtlinge unter anderem mit Feuerholz und nehmen Geld dafür. Im Wartesaal: Abdalla Chochombe und sein Freund Abra- ham (linkes Bild) würden gerne zurück in den Sudan gehen. Hasan Mohamed hält seinen Sohn im Arm. Der 35- Jährige hat sich um ein Visum für die USA beworben. Unten: Der indi- sche Salesianer Luke Mulayinkal leitet die Don Bosco Mission in Kakuma. 27