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missio magazin Ausgabe 02/2012

missio magazin 2/2012 31missio magazin 2/201230 rend Hasan seinen Traum von der Reise nach Amerika noch einmal wie- derholt, hört seine Frau Halima skep- tisch zu. „Ich habe die Hoffnung auf- gegeben“, sagt sie. Sie spricht kaum Englisch und ahnt wohl selbst, dass das in Amerika zum Problem werden könnte. „Unsere Namen standen doch schon so oft auf der Liste“, sagt sie, „und jedes Mal wurden wir am Ende wieder gestrichen.“ Wie kann das sein? Kakuma bleibt für immer „Korruption“, sagt einer, der ano- nym bleiben will. „Nur, wer den Mit- arbeitern der Auswandererbehörde Geld gibt, kommt auf die Liste.“ Wenn Hasan Mohamed nicht genug Bestechungsgeld hat und ehrlich blei- ben will, muss er warten. Wie seit 20 Jahren. In den vergangenen zwei Jahr- zehnten ist aus dem Flüchtlingslager eine eigene kleine Stadt geworden. Obwohl das niemand offen zu- geben mag. Die eigentliche Stadt, „Kakuma Town“, liegt auf der anderen Seite des Flusses, und da soll sie auch bleiben, während das „Camp“ offiziell immer noch als Provisorium gilt, und irgendwann auch einmal wieder verschwinden soll. Doch das ist unwahrscheinlich. Warum sollten Hasan Mohamed, seine Frau Halima und all die ande- ren 45 000 Somalier wieder zurück nach Mogadishu gehen – wenn dort noch immer Bürgerkrieg herrscht? Warum sollten Abdalla Chochom- be und seine Freunde in die Nuba- Berge zurückkehren, solange der Nordsudan das umstrittene Grenz- gebiet regelmäßig bombardiert? Und weshalb sollte sich das christ- lich-muslimische Ehepaar Yihun und Hiwot wieder nach Äthiopien aufmachen, ausgerechnet jetzt, da sie sich in Kakuma mit ihrem äthiopischen Essen eine kleine Existenz aufgebaut haben? Solange die Krisenregion Ost- afrika nicht zur Ruhe kommt, wird es Lager wie Kakuma geben, und die Menschen werden auf Hilfe an- gewiesen sein. Das sehen die Ver- einten Nationen genauso. Deren Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat gerade ein neues Strategiepapier herausgegeben. Demnach muss man damit rechnen, dass etwa der Flüchtlingsstrom aus Somalia nicht abflaut, sondern sogar noch größer wird. Bis 2013 erwartet das UNHCR rund 300 000 Neuan- kömmlinge. So viele Menschen mit Geschichten von Hunger, Flucht und Vertreibung. Und so viele Träume, die auf ihre Erfül- lung warten. << Es war die schlimmste Dürre in Ostafrika seit 60 Jahren, die die Regi- on im vergangenen Jahr heimsuchte. Mehr als 13 Millionen Men- schen waren betroffen. Besonders schlimm war die Lage in Somalia, weil dort seit 20 Jahren Krieg herrscht und die Menschen von der Versorgung abgeschnitten sind. Tausende flohen ins Nachbarland Kenia, viele starben auf dem Weg. Insgesamt leben in Kenia derzeit 840 000 Flüchtlinge aus den Nachbarländern. Auch in Kenia selbst litt ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung unter der Trockenheit. Zudem herrscht in Großstädten und in den Auffanglagern Angst vor terroristischen Anschlägen durch die islamistische „al-Shabaab“-Miliz. Ende Oktober 2011 begann Kenia eine Militäroperation und drang in Somalia ein, um die al Shabaab zu besiegen. Die Notlage weckte große Hilfsbereitschaft auf der ganzen Welt. Auch missio konnte eine ganze Reihe von Projekten finanzieren. Gemeinsam mit der Aktion „Sternstunden“ des Bayerischen Rundfunks hilft missio zum Beispiel den Salesianern Don Boscos. Die Salesianer sind im keniani- schen Camp Kakuma tätig, sowie in den Orten Korr (Diözese Marsa- bit) und Nzaikoni (bei Nairobi). Sie kümmern sich vor allem um Jugendliche. Auch der Flüchtlingsdienst der Jesuiten („Jesuit Refu- gee Service-JRS“) leistet Hilfe in Kakuma, Dadaab und Dolo Ado. Der JRS unterstützt Schulen, bildet Helfer aus und steht den Men- schen bei der Traumabewältigung bei. JRS-Ostafrika-Direktor Frido Pflüger, ein langjähriger missio-Partner, berichtet: „Niemand weiß, ob und wann die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückkehren können. Deshalb ist neben der Notversorgung jetzt langfristige Hilfe nötig.“ „Wir standen schon so oft auf der Liste und jedes Mal wurde unser Name wieder gestrichen“, sagt Halima. Sie wartet weiter auf das Visum für die USA (o.). Die meisten Lehrkräfte haben keine richtige Ausbildung – sie sind selber Flüchtlinge, wie dieser Mann aus dem Kongo (l.). missio hilfe>