Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

missio_ebooks_01_2015

renHebel.“GeitaundseineEinwoh- ner haben eine lange Geschichte mit Gold: 1896 entdeckten die deut- schen Kolonialherren das Edelme- tall.34Jahrespäterbeganndiesyste- matische Förderung. AngloGold Ashanti fördert Jahr für Jahr rund ei- ne halbe Million Unzen – und lässt diese per Flugzeug direkt nach Süd- afrika ausfliegen. „Tansania ist ein reiches Land! Doch wenn nur Einzel- ne profitieren, zerstört das eine Gesellschaft“, sagt Bischof Dallu. Der Bischof hat AngloGold Ashanti vor ein paar Jahren in die Pflicht genommen, ein Waisen- haus zu erbauen. „Wo Goldgräber- stimmung herrscht, bleiben die Schwächsten auf der Strecke“, sagt Sr. Adalbera Mukure, 59. Sie be- treut die 99 Kinder des Heims. Gerade ist das Hunderste, ein drei Monate altes Baby, abgegeben wor- den. „Grubenunfälle, Krankheiten, Eltern, die sich nicht um ihre Kin- der kümmern können – wir haben hier ganz unterschiedliche Fälle. Auch viele Aidswaisen“, sagt sie. Den älteren Kindern ermöglichen die Schwestern und die Frauen, die sie unterstüt- zen, den Schulbesuch. „Wir versuchen jeden Tag, die Kinder glücklich zu ma- chen, ganz einfach.“ Fragt man die Kinder, in welchem Bereich sie später arbeiten wollen, so kommen alle Arten von Antworten. Nur ein Wort fällt nie: Gold.<< Auf dem 5000-Schilling-Schein von Tansania ist die Cya- nidlaugerei der mehr als 25 km³ großen Goldmine zu sehen. Mit einem Fördervolumen von rund 10.000 Ton- nen pro Jahr ist Geita die ertragreichste Goldmine in Tansania. Sie liegt im Norden Tansanias, nahe des Vikto- riasees, was bei Um- weltschützern Be- denken hinsichtlich einer Verschmutzung des Grundwassers hervorgerufen hat. Auch der Betreiber AngloGold Ashanti stand wiederholt we- gen schlechter Ar- beitsbedingungen und Umweltschäden in der Kritik. Aber auch die Bedin- gungen für Schürfer, die in kleinem Stil Gold fördern, sind alles andere als rosig: Dort sind Unfälle und Gesundheitsschäden an der Tagesordnung. Besonders die Kinderarbeit, die trotz staatlichen Verbots in den Minen gang und gäbe ist, stellt ein großes Problem dar. Bischof Dallu, der bis 2014 in Geita war und nun Erzbischof von Songea ist, stellte sich an die Seite der Menschen in den Goldgräberstätten und brachte immer wieder zur Sprache, wie schädlich der „Tanz um das goldene Kalb“ für den Menschen ist. Der Bi- schofsstuhl von Geita ist derzeit vakant. Gold in Geita> „TANSANIA IST EIN REICHES LAND. DOCH WENN NUR EINZELNE PROFITIEREN, ZERSTÖRT DAS EINE GESELLSCHAFT.“ Erzbischof Dallu missio magazin 2/2015 29 nen, die in kleinem Stil schürfen. „Diebstähle haben wir immer wie- der. 2010 gab es einen organisierten Überfall“, sagt der Begleiter. Es gibt keinen Zaun, der das Areal sichert, dafür ist es zu groß. Allerortens haben die Minenbe- treiber Schilder aufgestellt, die vor Gefahren warnen. Im Sinne einer globalisierten Transparenz wird auch über Umweltschäden Buch geführt: 17 Tage sei der letzte „Zwi- schenfall“ her, verkündet ein Schild. „Staub und Abgase verschlechtern die Luft“, erklärt ein anderes den Arbeitern vor Ort. Die Minen-An- gestellten haben Arbeitsplätze wie sie es sonst in der Region kaum gibt: gut bezahlt und mit Sicher- heitsstandards. AngloGold Ashanti betreibt neben Geita noch weitere 20 Minen – ein international agie- render Konzern mit Hauptsitz in Johannesburg. „Es ist eine zweischneidige Sa- che“, sagt Bischof Damian Dallu, mit dem Fr. Shikombe zusammenarbei- tet. Der Bischof hat das Gespräch mit den Minenbetreibern gesucht. „Wir brauchen die Arbeitsplätze, das ist klar. Aber ich frage mich, warum es unsere Regierung nicht schafft, die Bodenschätze zum Wohle der Bevöl- kerungzufördern,sondernsieauslän- dischen Unternehmen überlässt.“ Bischof Dallu ist bekannt dafür, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Das wissen auch die AngloGold Ashanti- Leute. Ich glaube, sie sagen sich: Lass den Bischof reden, das ist seine Auf- gabe. Wir sitzen ohnehin am länge- Natriumzyanidbecken (ganz links), Schilder vor dem Minenareal (Mitte). Fähre über den Victoria- see (rechts). vor ort tansania missio magazin 2/201529

Seitenübersicht