Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

missio_ebooks_03_2014

blickwechsel philippinen missio magazin 3/201432 >> Fast hätte man Jenny Rodri- guez gar nicht gesehen. So klein ist das vergitterte Fenster, hin- ter dem sie aus ihrem Laden herausblickt und auf Kund- schaft wartet. Sie führt einen „Sari-Sari-Store“ auf der Insel Naborot. Ein Laden, wie er typisch ist für die Philippinen. Der Name „Sari-Sari“ bedeutet in der Amtssprache Tagalog so viel wie „von jedem etwas“. Genauso sieht das Sortiment von Jenny Rodriguez aus. Es gibt löslichen Kaffee in kleinen Plastiktütchen, Kekse, Bon- bons, aber auch Putzmittel und Batterien. Eine Flasche Pepsi- Cola kostet 12 Pesos (ungefähr 19 Cent), Mangosaft ist etwas billiger. Und stehen da hinten nicht auch ein paar Flaschen Rum? „Nein, nein,“ sagt Jenny Rodriguez, „da haben wir nur Essig eingefüllt.“ Gekauft wird stückweise Meist kaufen die Kunden pro Stück - also nur eine Zigarette, statt einer ganzen Schachtel, bloß eine Handvoll Wasch- pulver, statt einer ganzen Pa- ckung. Lieber nicht zu viel auf Vorrat kaufen, denn die meisten Menschen haben nicht viel Platz in ihren kleinen Häusern. Und wer weiß, was morgen sein wird, und wofür man dann sein Geld braucht. Um den Preis gefeilscht wird eher selten, denn das ist auf den Philippinen nicht üblich. Aber wer Stammkunde ist und etwas knapp bei Kasse, darf anschreiben lassen. Jenny Rodriguez führt da ganz genau Buch, und hält fest, wer ihr wie- viel schuldig ist. Ein schlichtes Schulheft genügt ihr dafür. Falls ihre Kunden sie im Stich lassen und nicht pünktlich bezahlen, gerät sie selber in Schwierig- keiten. „Meistens kaufe ich mei- ne Waren auf Kredit“, sagt sie. „Und ich hoffe, dass ich das Geld am Ende der Woche zu- rückzahlen kann.“ Bisher sei es immer gut gegangen. Ein Nach- bar bringt sie regelmäßig mit seinem Fischerboot hinüber ans Festland. Dort erledigt sie ihre Einkäufe und kommt wieder zurück. Eigentlich steht sie unter ziemlichem Erfolgsdruck, aber das lässt sie sich nicht anmer- ken. Ihr kleiner Laden ist die einzige Verdienstquelle für sie und ihren Mann Gualberto. Die beiden haben sich in der Haupt- stadt Manila kennengelernt. „Damals hab ich noch als Haus- mädchen gearbeitet,“ sagt Jenny Rodriguez. Ihr Mann schuftete zur selben Zeit in einer Fabrik. Eines Tages geschah das Un- glück: Er atmete giftige Dämp- fe ein und zog sich einen Nie- renschaden zu. „Seitdem muss ich zur Dialyse“, sagt Herr Rod- riguez, während seine Frau ge- rade eine Kundin bedient. Ihr Laden muss den Arzt finanzieren Doch die Behandlung ist teuer: 3600 Pesos (58 Euro) kostet eine Einheit, jede Woche. „Ich muss mit dem Boot hinüber nach San Dionisio, und dann drei Stunden nach Iloilo fahren,“ sagt Gual- berto Rodriguez. Doch das kann er nur dann machen, wenn seine Frau während der Woche genug Geld eingenommen hat. 3600 Pesos schafft sie selten. „Durch- schnittlich kommen wir auf 200 Pesos pro Tag,“ sagt sie. Beklagen will sich Jenny Rodriguez trotzdem nicht. „Es geht schon. Außerdem helfen uns unsere Kinder ein bisschen.“ Neun Kinder sind es, vier davon haben bereits eigene Familien, zwei versuchen in Manila über die Runden zu kommen. Einen Ruhetag gönnt sich das Ehepaar Rodriguez so gut wie nie. Lieber öffnen sie ihren Laden jeden Tag. Dann treffen sich die Inselbe- wohner hier nicht nur zum Ein- kaufen, sondern auch, um die neuesten Neuigkeiten auszu- tauschen. Denn die gibt es bei Jenny Rodriguez sogar kosten- los. << Ch. Selbherr HANDEL HIER, HANDEL DORT MMeistens kaufe ich meine Ware auf Kredit und hoffe, dass ich das Geld bis zum Ende der Woche zurückzahlen kann.“ JENNY RODRIGUEZ, Ladenbesitzerin auf der philippinischen Insel Naborot

Seitenübersicht