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missio_ebooks_03_2014

> glosse Wenn Gerti Gehr nicht ge- rade auf der Bühne steht, dann schreibt sie wahr- scheinlich an einem neuen Gedicht oder erzählt, als „Irrwurz“ verkleidet, von den Pflanzen und Kräutern des Waldes. Über sich selbst lachen zu können, ist für die 42-Jährige eine enorme Bereicherung. Schon mit 20 stand die gebürtige Oberpfälzerin als schreiende Marktfrau auf der Theaterbühne und be- geisterte mit ihrem schau- spielerischen Talent. Heute gilt ihre Leidenschaft dem Kabarett. Ob Karrierefrau, Mutter, Motivationstrainer oder Gemeinderat – Gehr schlüpft in die unterschied- lichsten Rollen und holt sich ihre Ideen ganz einfach aus dem Alltag. Weitere Infos und aktuelle Termine unter: www.gerti-gehr.de >> Selbstverständlich wurde sicher- heitshalber noch eine Sicherheitsge- brauchsanweisung dazugegeben. Im 21. Jahrhundert stehen wir vor der schier schwierigsten Aufgabe unseres bisherigen Daseins: Das naive Prin- zip Hoffnung im Abenteuer Leben weicht dem sicherheitsbestimmten Selektionsmanagement. Das ge- wünschteste, geplanteste Wunsch- kind aller Zeiten will ver-, äh, erzo- gen werden. Hochentwickelt, wie wir sind, wissen wir: „Griaß Gott“ und „Pfiad Gott“ werden in einem modernen Land Sozialkompetenzen genannt. In der Gebrauchsanleitung, in der – sicherheitshalber – nachgeschlagen wird, steht: „Nein sagen“, „Grenzen setzen“. Wer? Eltern? Wie? Zum Markeng’wand? Äh, was ist, wenn das TÜV- geprüfte Kind diese wert- volle und anstrengende Erziehungs- arbeit nicht zu schätzen weiß und womöglich die Eltern aus diesem Grunde nicht mehr liebt?! Und überhaupt, wo wächst ein Kind? In der sicheren Elternhand oder im Markengewand – vermutlich genäht von kleiner dunkler Kinderhand jen- seits unserer Grenzen? Apropos Grenzen – dank der Ge- brauchsanleitung wird das „Wunsch- Kind“ sicherheitshalber laufend ent- wicklungstechnisch gecheckt und an der DIN-Leistungskurve optimiert ggf. nachtherapiert. Selbstverständ- lich fängt das engmaschige Sicher- heitskontrollsystem bereits mit der Geburt an. Und wer hofft nicht auf eine sichere Geburt?! Glücklicher- weise wird in Deutschland bei jeder ... die „TÜV-Kinder-Sicherheitsplakette“ erfunden wurde. missio magazin 3/201434 humor gerti gehr BIN ICH FROH, DASS ICH NICHT DABEI WAR, ALS ... gewinnbringend. Für wen gleich wieder? Ach ja, da fällt mir ein, bei den alten Chinesen wurden die Ärz- te dafür bezahlt, wie gesund ein Pa- tient ist. Es ist wahrlich ein schwieriger Weg, zu der „TÜV-Kinder-Sicher- heitsplakette“ zu gelangen. Um das Schlimmste abzuwehren und die Mütter und Väter vor Äng- sten und Verzweiflung zu schützen, gibt es ein supertolles Infoportal. Das Zauberwort lautet „Pränatal- diagnostik“, die – sicherheitshalber – ab der 11. Schwangerschaftswoche in Anspruch genommen werden sollte. Fühlen-Horchen-Messen, das war gestern! Heute gilt die gezielte und erfolgsoptimierte Suche nach Abwei- chungen der Chromosomen von der Norm. Auf der Hitliste ganz oben steht u.a. Trisomie 21, auch „Down Syn- drom“ genannt: Abweichung mit High-Tech erkannt – Abbruch – Ge- fahr gebannt. Selektion auf höchstem Niveau! Ach so, die Ergebnisse sind nicht ganz eindeutig, aber sicher ist, dass lediglich 3% der Kinder mit Abweichungen zur Welt kommen. Das wird jedoch – sicherheitshalber – den werdenden Eltern verschwiegen. Sören Kierkegaard (1813-1855) meinte: „Schwanger sein heißt, guter Hoffung sein, und Hoffen heißt, die Möglichkeit des Guten zu erwarten.“ Vielleicht vertrauen wir wieder mehr dem Abenteuer „Leben“ und der gu- ten „Hoffnung“. dritten Frau ein steriler, für die Ärz- teschaft höchst lukrativer und für alle Beteiligten zeitlich planbarer Kaiserschnitt vorgenommen. So las- sen sich Golftermine und Familien- events problemlos vereinbaren, ob- wohl – statistisch gesehen – nur jeder zehnte Kaiserschnitt von Vorteil für Mutter und Kind ist. Umso erstaun- licher dafür die Tatsache, dass die werdenden Mütter immer noch in der Hoffnung auf eine natürliche Geburt leben. Doch ein leichtes Stirnrunzeln des Arztes beim Ultraschall oder gar der dezente Hinweis: „Das ist aber ein strammer Bursche!“ reichen voll- kommen aus, um diese Hoffnung – sicherheitshalber – zu nehmen. Es ist nämlich nicht so, dass das Ungebore- ne womöglich am besten weiß, wann es so weit ist, und die Mutter intui- tiv – mit Hilfe der Wehen – die Zei- chen spürt. Nein, nein, welch naiver Gedanke! Weit gefehlt! Der Busi- nessplan im Geburtsmanagement setzt die Grenze – sicherheitshalber. Kaiserschnitt nach Plan! Dankens- werterweise werden somit auch die Wehen und dem Baby das Martyri- um im engen, unsterilen Geburtska- nal erspart. Hierbei würde ja auch nur das Stresshormon „Oxytocin“ freigesetzt, welches das Immunsys- tem des Kindes stimuliert bzw. den neuen Erdenbürger startklar für das Leben draußen macht. Was ja beim Kaiserschnitt nicht benötigt wird. Aus diesem Grunde werden auch – sicherheitshalber – doppelt so viele Neugeborene auf die Intensivstation verlegt. Dies ist natürlich optimalst Foto:MartinaBogdahn Foto:MarcoFelgenhauer

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