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missio_ebooks_03_2014

missio magazin 3/2014 39 mitschuldig an der instabilen Lage zu sein. Ihnen sei es stets um po- litischen Einfluss und um alte Machtpositionen gegangen, die mit der Unabhängigkeit verloren wurden. Die aktuellen Gräueltaten zwi- schen Christen und Muslimen hält Marzinkowski für „ein Produkt und nicht den Grund der Rebellion“. Er wehrt sich dagegen, von einem reli- giösen Konflikt in der ZAR zu spre- chen. „Wir kamen mit den Musli- men überall gut zurecht und haben sehr gut mit ihnen zusammengear- beitet. Viele Muslime waren Ge- schäftsleute. Sie hatten im ganzen Land mehr und mehr die Franzosen und Portugiesen abgelöst, die bis zur Unabhängigkeit das Monopol im Handel hatten. Vor allem die kleinen Geschäfte und Läden waren in der Hand von Muslimen.“ Rache als Triebfeder Marzinkowski berichtet von unvor- stellbaren Taten des Anti-Balaka- Mobs gegen Muslime: „Sie schlach- teten alles was muslimisch ist syste- matisch ab und machten auch vor Frauen und Kindern nicht halt“, erzählt er. Die überlebenden Musli- me seien jetzt zu einem großen Teil außer Landes geflohen oder fänden Schutz in Flüchtlingslagern rund um den Flughafen der Hauptstadt Bangui. Viele Menschen suchten auch Zuflucht in den Kirchen des Landes, fanden Unterkunft und Schutz bei Priestern und Ordensleu- ten. „Das alleine zeigt doch auch, dass es sich um keinen religiösen Konflikt handelt“, betont der eme- ritierte Bischof. Das Entwicklungsministerium bestätigt Marzinkowskis Ansicht: „Der gegenwärtigen Krise in der ZAR liegt nicht primär ein religiö- im vordergrund zentralafrikanische republik Foto:katholisch.de,Reuters Vernachlässigt von der Kolonialmacht Frankreich erkämpfte sich die ZAR 1960 ihre Unabhängigkeit. Demokratisierungsversuche wurden in dem zentralafrikanischen Binnenland immer wieder von Rebellenangriffen, Aufständen und Militärputschen zunichte gemacht. Von 1966 bis 1979 regierte General Jean-Bédel Bokassa, der sich 1977 zum Kaiser krönen ließ. Zwei Jahre später wurde er in einem von Frankreich inszenierten Staatsstreich gestürzt. Der 1981 gewählte Präsident David Dacko wurde kurz darauf in einem Putsch durch General André Kolingba entmachtet. 1993 wurde Ange Félix Patassé zum Präsidenten gewählt und zehn Jahre später in einem Militärputsch durch François Bozizé abgelöst. Am 24. März 2013 eroberte die Rebellenbewegung Seleka die Hauptstadt Bangui. Der Rebellenführer Michel Djotodia erklärte sich zum Staatschef. Zunehmen- de Auseinandersetzungen mit ethnisch-religiö- sem Hintergrund zwischen der vorwiegend islamischen Seleka und der überwie- gend christlichen Gegenbewegung Anti-Balaka führten zu einem innen- politischen Chaos. Am 10. Januar 2014 trat Seleka-Führer Djotodia unter internationalem Druck zurück. Der Nationale Übergangsrat wählte am 20. Januar Cathérine Samba-Panza zur neuen Übergangspräsidentin, Premierminister der Übergangsregierung wurde André Nzapayeké. historie> ser Konflikt zwischen Muslimen und Christen zugrunde“, teilt das Ministerium auf Anfrage mit. Hauptauslöser der Krise seien viel- mehr mangelnde staatliche Auto- rität und fehlende Machtmittel ge- wesen, um die Übergriffe der mus- limischen Ex-Seleka-Milizien auf eine überwiegend christliche Zivil- bevölkerung zu beenden. „Nun- mehr sind es christliche Milizen, die gegen eine Minderheit der Mus- lime vorgehen, wobei die wesentli- che Triebfeder Rache ist“, heißt es aus Berlin: Der politische Konflikt habe sich zunehmend zu einem Konflikt entwickelt, „der entlang religiöser und ethnischer Tren- nungslinien ausgefochten wird“. Als Ursprung der Konflikte in der ZAR wertet Bischof Marzin- kowski die bittere Armut in dem Land. „Es ist die Armut, die auch die Bevölkerung aus dem Landesin- neren zu Aufständischen, zu Rebel- len gemacht hat.“ Ziel der neuen Übergangsregierung und auch der internationalen Hilfe müsse es nun sein, der Armut und der Not der Bevölkerung zu begegnen. „Was wir heute in der ZAR brauchen, ist eine Kultur der Staatsbürgerschaft, der Demokratie, der guten Re- gierungsführung, des Friedens und des Allgemeinwohls“, mahnt Mar- zinkowski. << A. Pöhner Der emeritierte Bischof Peter Marzin- kowski, 75, verbrachte fast vier Jahrzehnte seines Lebens als Missionar in dem zentralafrikanischen Binnenland.

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