Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

missio_ebooks_03_2014

missio magazin 3/2014 43 einen Traum“, sagt er. „Wir glaub- ten, Madagaskar könnte das größte Reisreservoir im Indischen Ozean werden.“ Und dieser Traum war keines- wegs ein Hirngespinst. Der Jesuit und Agraringenieur Laulanié arbei- tete und forschte gemeinsam mit Michel Hubert über 30 Jahre lang an einer biologischen Methode des Reisanbaus, der sogenannten SRI- Methode. „Madagaskar bietet opti- male klimatische Voraussetzungen, wir haben weltweit die besten Reis- sorten“, sagt Michel Hubert. Unter der von ihnen gegründeten Basisver- einigung TEFY SAINA entstanden Forschungs- und Ausbildungszent- ren. Die Jesuiten schulten Mitar- beiter, die die Methode in den abge- legensten Dörfern vorstellen sollten. Sie entwickelten einfache mechani- sche Hilfsgeräte, um Unkraut zu jäten und die Boden zu pflügen, sie modifizierten das Verfahren der Setzlingszüchtung, der Herstellung für Kompost und entwarfen ein aus- geklügeltes Bewässerungssystem. „Laulanié hatte ein Prinzip: Wir hel- fen den kleinen Bauern mit einfa- chen Mitteln, damit sie ihre Pro- duktion verdoppeln können“, sagt Michel Hubert. Etwa 450 000 Ariary, umge- rechnet 140 Euro, muss ein Land- wirt aufbringen, damit er mit SRI beginnen kann. Für die meisten Reisbauern ist das noch immer zu viel. Deswegen stellen die Jesuiten Produktionsmittel, wie Geräte und Saatgut zur Verfügung. „Ein Bauer, der bisher drei Tonnen Reis pro Hektar geerntet hat, kann jetzt elf Tonnen pro Hektar erreichen und wird finanziell unabhängig“, sagt Michel Hubert. Im 20 Kilometer entfernten Dorf Antsahasoa nutzen die Bauern die Kühle des Morgens um nach ihrem Reis zu schauen. Der Wind streicht über die Felder und malt grüne Wellen in die Land- schaft. Das Klappern von hölzernen Wagenrädern mischt sich unter ihr sanftes Rauschen. Frauen und Män- ner tragen Reisbündel entlang der Parzellen. Ein Bild des Friedens. Doch die Idylle täuscht. Reisanbau ist harte körperliche Arbeit. Das hat sich auch durch SRI nicht geändert. Und wie in anderen Regionen, pflanzen die Bauern hier ihren Reis überwiegend auf traditionelle Art an. Der 27-Jährige Jean Aimé Ma- nasoa belädt gerade seinen Fuhrwa- gen mit Reisbündeln. Er ist einer der wenigen Bauern von Antsaha- soa, der sich auf SRI eingelassen hat. Er hat drei bis vier Tonnen Reis pro Hektar erwirtschaftet. Norbert Razafimino notiert die Zahlen in sein Buch. Er koordiniert, betreut und dokumentiert mit vier Mitar- Norbert Razafimino (r.): „Es ist schwer, die Bauern von etwas Neuem zu überzeugen. Man muss die Menschen lange begleiten und anleiten.“ Trotzdem ein Knochenjob: Der Ertrag hängt davon ab, wie oft ein Bauer sein Feld pflügt und er das Unkraut jätet. SRI verlangt größere Abstände zwischen den einzelnen Pflanzen.

Seitenübersicht