Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

missio_ebooks_03_2014

missio magazin 3/2014 45 nicht bereit für eine schnelle Ent- wicklung. Man muss die Menschen lange begleiten und anleiten.“ Zurück im Jesuitenkolleg nennt Bruder Michel Hubert noch einen weit schwerwiegenderen Grund: „Unsere Regierung freut sich über jede Naturkatastrophe, weil dann Aufbau- und Entwicklungsgelder fließen. Die Hilfe kommt aber nicht an. Das Geld bleibt in der Verwal- tung und in den Regierungskreisen hängen“, sagt er. Die Umsetzung von SRI verläuft heute schleppend. Es fehlen die Gelder, die Unterstüt- zer, es fehlen die Mitarbeiter und die Infrastruktur. Das Entwicklungshil- feprogramm der madagassischen Regierung sei, so Michel Hubert, vor allem „ein lukratives Geschäft für die Regierung selbst. Indem sie Düngemittel aus Europa importiert und es an die Kleinbauern verkauft, verdient sie ihr Geld.“ Und was bleibt Michel Hubert nach einem Leben für den Reisan- bau? Ein Zimmer vollgestopft mit Erinnerungen: Regale voller Ordner mit vergilbten Beschriftungen. Auf einem Tisch stapeln sich Papiere und alte Fotos. In der Ecke ein Bett, daneben ein kleiner Herd mit einem Wasserkocher. Wo noch Platz an den zugestellten Wänden ist, hän- gen Fotos von saftigen Reisfeldern, verschiedenen Logos, gut gelaunten Bauern mit Hacken, die stolz ihre Reisernte präsentieren. Auch das Foto einer Frau. „Das ist Madame Amelie“, sagt Michel Hubert. Dann senkt er den Kopf und fasst sich mit der Hand an die gerunzelte Stirn. „Sie war eine treibende Kraft, hat mit so viel Elan und Mut an unse- rem Traum gearbeitet. Aber ich kann mich nicht mehr an ihren vol- len Namen erinnern.“ Er seufzt und schüttelt den Kopf. An der Tür klebt das Foto eines lachenden Lau- lanié. Er starb 1995, im Alter von 75 Jahren. Aus der Traum? Tatsächlich wurde bereits in den 1980er Jahren die Cornell Universität in New York auf die Arbeit der beiden Jesuiten aufmerksam. Der Wissenschaftler Norman Uphoff war maßgeblich an der Verbreitung der SRI-Idee betei- ligt. Damals fand die Methode von Laulanié einige finanzstarke Unter- stützer, bis heute zumeist im Aus- land. Mit der amerikanischen Hilfe ist SRI mittlerweile in über 30 Län- dern populär geworden. Im Jahr 2012 hat ein Kleinbauer im Nord- osten Indiens eine Weltrekordernte von 22,4 Tonnen Reis pro Hektar eingefahren – mit Hilfe von SRI, ohne chemische Dünge- und Schäd- lingsbekämpfungsmittel. << revolution im reisfeld Es ist „die bedeutendste landwirtschaftliche Erfindung der letzten 50 Jahre“, schreiben Zeitungen. Andere sprechen bei SRI - dem „System der Reis-Inten- sivierung“ von einer „wundersamen Reisvermehrung“. In der Tat häufen sich Berichte von einfachen Bauern, die mit der SRI- Methode ihre Erträge um das Drei, Vier - oder gar Sechsfache steigern. Gleichzeitig wächst in Ländern wie Indien, Mali oder Kambodscha die Hoffnung auf ein Ende der Ernährungskri- se. Kritiker halten SRI jedoch für überbewertet; der Arbeitsaufwand sei viel zu groß und würde den höheren Ertrag auf Dauer wieder relativieren. Sie pro- pagieren effizientere Düngemittel und besseres Saatgut - das oft nur mit Hilfe von Gentechnik hergestellt werden kann. SRI setzt auf lokale Erzeugerge- meinschaften und steht damit in Konkurrenz zur industriellen Großprodukti- on von internationalen Agrarkonzernen. Die weltweit führenden Anbauländer von Reis sind China (202,6 Millionen Tonnen im Jahr 2011) und Indien (155,7 Millionen Tonnen), gefolgt von Indonesien. Erst an 16. Stelle kommt Madagaskar mit einer jährlichen Produktion von 5,078 Millionen Tonnen. > Familie Manasoa lädt den Fuhrwagen ab (l.). Nachdem der Reis vom Halm gelöst worden ist, wird er zum Trocknen ausgebreitet (o.).

Seitenübersicht