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missio_ebooks_03_2014

missio magazin 3/201450 wiedersehen in burkina faso >> Es dauert nicht lange, dann haben die Mädchen erkannt, wer auf den Bildern zu sehen ist. „Das ist doch Rosine“, sagt eine. „Und hier: Simone!“ ruft die andere. Sie blättern in einer Zeit- schrift aus Deutschland. Eine Ausgabe des „missio magazins“ aus dem Jahr 2009. Damals er- schien ein Bericht über das Pro- blemderZwangsverheiratungin Burkina Faso. Rosine Ouedrao- go und Simone Nabaloum aus dem kleinen Ort Tema-Bokin kamen darin vor. Sie hatten er- zählt, wie sie vor der Ehe geflo- hen waren und im Heim „Nako- glebzanga“ Zuflucht fanden. Wie ging es weiter? Schon vor mehr als 25 Jah- ren wurde das Heim von der Diözese Kaya gegründet – und es ist nötiger denn je. Zwar ist die Zwangsverheiratung in Bur- kina Faso seit langem per Gesetz verboten, doch besonders in ländlichen Gegenden ist sie noch immer weit verbreitet. Familien begleichen Schulden, indem sie ein Mädchen an einen Mann aus der Nachbarfamilie verheiraten. Oder sie geben eine Tochter als Geschenk an einen mächtigen Dorfchef, der sie für sich behält oder an einen seiner Söhne weitergibt. Eines der jungen Mädchen nimmt eine Schiefertafel und schreibt mit Kreide ihren Na- men. „Vivian“ – sehr langsam nehmen die Buchstaben Gestalt an. Nur wenige Mädchen kön- nen lesen und schreiben. „Ich sollte an einen alten Mann ver- heiratet werden“, sagt Vivian. Da ergriff sie die Flucht. „Unser Ziel ist es, die Mäd- chen mit ihren Familien auszu- söhnen,“ sagt die Ordensfrau Evelyn Zouré, die das Heim zu- sammen mit Pfarrer Georges Godo leitet. Doch die Versöh- nung kann dauern. Manche Frau- en bleiben jahrelang in dem Heim. Andere fügen sich in ihr Schicksal, kehren zurück in ihr Heimatdorf und lassen sich ver- heiraten. Die wenigsten können lesen und schreiben Simone Nabaloum wohnt wieder bei ihrem Mann, gar nicht weit entfernt vom Frauenhaus. Sie kommt gerade vom Markt zu- rück, auf dem sie ein bisschen Gemüse verkauft hat. „Das Leben ist immer noch hart,“ sagt sie, und blickt auf ihr Bild. Älter ist sie geworden, und schmaler. Lesen und schreiben lernen, das ist das Wichtigste, sagt Abbé Georges Godo. „Das verändert vielesindenDörfern“,isterüber- zeugt. „Dann kann man irgend- wann auch selber entscheiden, ob manheiratenmöchteodernicht.“ Der Priester plant einen Traktor anzuschaffen, damit die Landwirtschaft vorangeht, und sie sich zumindest zum Teil selbst versorgen können mit dem, was auf den dürren Feldern ringsum wächst. Gerade haben sie einen kleinen Kiosk eröffnet, in dem sie selbstgemachtes Essen verkaufen. Harte Arbeit, immer wieder. Und was ist nun aus Rosine Ouedraogo geworden? Hat sie weiteres Unrecht erdulden müs- sen? Oder ist ihre Geschichte gut ausgegangen? „Ich kenne ihre Familie“, sagt plötzlich eines der Mädchen. „Rosine lebt jetzt an der Elfenbeinküste.“ Zusammen mit ihrem Mann, den sie vor kurzem geheiratet hat. Nicht aus Zwang. Sondern weil sie ihn hei- raten wollte. << Ch. Selbherr TEMA-BOKIN Vor fünf Jahren berichtete das missio magazin über Frauen aus Burkina Faso, die vor der Zwangsverheiratung fliehen und Zuflucht im Heim „Nakoglebzanga“ finden. Wie geht es den Frauen heute? Fotos:JörgBöthling

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