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missio_ebooks_03_2015

blickwechsel deutschland missio magazin 3/2015 31 >> An einem Mittwochmorgen um 8:45 Uhr taucht Ruba mit zwei ihrer Mitschülerinnen in die Welt von Renu ein. Mit ein- em i-Pad in der Hand und an verschiedenen Stationen, die im Keller des Edith-Stein-Gymna- siums aufgebaut sind, empfinden sie im interaktiven Serious Game missio for life, die Geschichte der jungen Inderin nach. Das Spiel beginnt kurz vor Renus Hochzeit. Es ist die Auf- gabe der Schülerinnen, eine pas- sende Mitgift aus einer Glasvit- rine auszuwählen. Sie entschei- den sich für eine Kette, Bargeld und Ohrringe. Zu wenig. Erst als die Mädchen den Code neben dem kleinen Modellauto auf ihrem i-Pad einscannen, dürfen sie weiter zur nächsten Station. „Ich wusste schon, dass man zu einer Braut in Indien noch etwas mit dazu geben muss, aber dass das so viel ist, wusste ich nicht“, sagt Ruba. Die nächste Station bringt die Mädchen an einen Herd. Die Küchenszene ist so detailgetreu nachgestellt, dass die Schülerin- nen alles um sich herum verges- sen. Gerade haben sie einen wütenden Anruf der Schwieger- mutter erhalten. Hastig scannen sie verschiedene Zutaten ein, die auf der Küchenzeile liegen: Zwiebeln, Fleisch, Gewürzpul- ver, Joghurt. Die Mädchen müs- sen sich beeilen – auf einer Uhr läuft die Zeit ab. Erleichtert hüp- fen sie in die Luft, als das Lamm- curry auf dem durch LED-Lam- pen rot erleuchteten Herd kö- chelt. Und trotzdem am Ende müssen die Mädchen auf dem Bildschirm des i-Pads mitanse- hen wie die Schwiegermutter versucht Renu zu töten. Auch wenn es nur ein Spiel ist, die Schülerinnen wissen nun, dass dieses Erlebnis für viele Frauen in Indien Realität ist. Ruba ist sichtlich erschrocken: „Ich hätte nie gedacht, dass es so etwas gibt.“ Ruba ist 14 Jahre alt und geht in die achte Klasse. Sie trifft sich gerne mit Freundinnen, spielt Tennis, geht in den Tanz- unterricht und spielt seit zehn Jahren Geige. Wenn sie Musik macht, schaltet sie ab und ver- gisst alle Sorgen um sich herum. Zu sehen wie andere Jugendliche auf der Welt leben, findet sie gut und wichtig. Man lerne dabei viel Neues, auch über sich selbst. „Hier hat man seine Probleme mit Schulfächern, mit Noten oder mit ‘nem Freund, aber wenn man deren Probleme sieht, merkt man erst wie klein unsere eigenen sind und was alles auf der Welt passieren kann.“ Beson- ders schlimm fand die Schülerin, dass selbst Renus Vater seiner Tochter nach dem Brandan- schlag nicht geglaubt hat und sie stattdessen aus der Familie ver- stoßen hat. Wenn Ruba sich vor- stellt, dass sie einen Mann heira- ten müsste, den sie sich nicht selbst ausgesucht hat, macht ihr das Angst. „Im Spiel haben die ja von Tradition geredet, das heißt eigentlich dürfen die sich ja nicht wehren, aber ich könnte das glaub ich nicht so hinneh- men, einfach dastehen und mich verheiraten lassen.“ Renu wäre überrascht Ruba, deren Familie aus Jorda- nien stammt, findet die asiati- sche Kultur interessant. Nach Indien möchte sie irgendwann auch mal gerne reisen. Ruba weiß, dass Mädchen wie Renu dort nicht einfach in die Schule gehen oder sich mit Freunden treffen können. „Ich glaube, wenn Renu nach Deutschland kommen würde, wäre sie sehr überrascht, dass die Frauen hier gleichberechtigt sind und in so guten Jobs arbeiten“, sagt Ruba, die sich vorstellen könnte, ein- mal Ärztin zu werden. „Wenn ich jemanden wie Renu treffen würde, würde ich ihr sagen, dass sie weiterhin eine starke Frau bleiben soll, die stolz auf sich seinkann.Unddasssiesichnicht an gestern erinnern soll, sondern, an das, was in ihrem Leben noch alles Schönes passieren kann.“ << S. Seyferth I RUBA (14), Schülerin aus Deutschland Renu, eine der drei fiktiven Hauptfiguren aus dem interaktiven Lernerlebnis „missio for life“, steht für das Schicksal tausender junger Frauen in Indien, die nach ihrer Hochzeit um ihr Leben fürchten müssen. Sogenannte Mitgiftmorde kommen in Indien in allen sozialen Schichten vor. Ruba, die in München zur Schule geht, hatte die Möglichkeit in Renus Welt einzutauchen. „Ich würde ihr sagen, dass sie sich nicht an gestern erinnern soll.“ Foto:missio(3) missio magazin 3/201531

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