Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

missio_ebooks_03_2015

Myra Imran: „In Pakistan haben wir gelernt, dass wir nicht einfach so über alles berichten können.“ missio magazin 3/201508 >> Journalismus ist meine Leiden- schaft. Definitiv. Meiner Meinung nach: einer der erfüllendsten Berufe überhaupt. Als Journalist ist man in der Mitte des Informationsflusses. Man weiß, was in der Welt und um einen herum passiert. Und man ist in der Lage, durch seine Berichterstat- tung das Leben der Menschen zu ver- ändern. Ich verliebe mich jeden Tag neu in meinen Beruf. Und doch gibt es viel, was es in Pakistan in diesem Berufsfeld zu ver- bessern gibt. Ich denke dabei vor allem an die Sicherheit. Offiziell unterliegen die pakistanischen Me- dienkeinerZensur.Theoretischkönn- ten wir also alles schreiben. Was die Praxis angeht, würde ich sagen: Wir können versuchen, alles zu schreiben. Je nach Region ist das dann gefähr- lich oder weniger gefährlich. In Belutschistan und Khyber Pakhtun- khwa ist es definitiv gefährlicher als im Rest des Landes. Es gibt Journalisten, die wegen ihrer liberalen Ansichten bedroht oder sogar umgebracht werden. Was in den vergangenen Jahren mit vie- len Journalisten hier passiert ist, ist schrecklich. In Pakistan haben wir gelernt, dass wir nicht einfach so über alles berichten können. Es gibt bestimmte Dinge, die das eigene Le- ben oder das Leben von anderen in Gefahr bringen. Aber das ist nicht nur bei uns so. Schauen wir zum Beispiel nach Paris. Der Angriff auf Charlie Hebdo war furchtbar. Trotzdem denke ich, dass man kulturelle und religiöse Emp- findsamkeiten immer im Blick haben sollte, bevor man etwas veröf- fentlicht. Meiner Meinung nach soll- ten wir darüber nachdenken, uns auf internationaler Ebene über Ethik in den Medien auszutauschen und viel- leicht könnte eine internationale Ein- richtung helfen, bei der Leute sich beschweren können. DieZeitung,fürdieicharbeite,ist sehr liberal. Wir berichten auch über die sensiblen Themen: Extremismus, Terrorismus, Blasphemie-Gesetz und Gewalt an Frauen. Um die Autoren zu schützen, ändern wir manchmal den Namen unter einzelnen Arti- keln. Zum Beispiel wenn jemand über ein Opfer eines „Karo-Kari“, also eines Ehrenmordes, schreibt. Diese Art von Tradition ist typisch für die Sindh-Region. Darüber zu berichten ist heikel. Ein anderes Thema, das mit Vorsicht zu genießen ist, ist das Blasphemie-Gesetz. Öffentlich oder in den Medien äußert sich dazu eigentlich kaum jemand kritisch. Würde sich jemand zum Beispiel auf einem Markt laut gegen dieses Gesetz aussprechen, man würde ihn vermutlich auf der Stelle umbringen. Und trotzdem, was die Arbeit der Journalisten in Pakistan angeht, bin ich überzeugt davon, dass sie freier und gewissenhafter arbeiten als in vielen anderen Ländern. Ja, es gibt die Dinge mit der Sicherheit, aber die Journalisten hier hören nie auf, alles zu hinterfragen und alles anzuzweifeln. Wir hinterfragen un- sere Regierenden, unser Militär, die verschiedenen Gruppierungen und die Mafia, auch wenn das manchmal unser Leben in Gefahr bringt. Wäh- rend Journalisten in den westlichen Ländern oft Monate auf angeforder- te Informationen oder auf die Mög- lichkeit, jemanden zu treffen, war- ten, gehen wir einfach direkt zu den zuständigen Stellen oder Organisa- tion und fragen drauf los, was wir wissen wollen. Als Journalist repräsentiert man Menschen und Schichten aller Art. IchschreibevielüberFrauenrechteund Gewalt an Frauen. Das ist nicht von jedem gerne gesehen, ich bekomme öfter böse Briefe. Aber das ist normal, das sind eben Leserbriefe. Direkte Drohungen habe ich bisher nicht erhalten. Über Frauenthemen zu schreiben ist nicht so gefährlich wie über extremistische Gruppen zu schreiben. Durch meine Artikel möchte ich Aufmerksamkeit schaf- stichwort pressefreiheit PRESSEFREIHEIT zur person> Myra Imran (41) arbeitet als Jour- nalistin bei der pakistanischen Tageszeitung „The News“, die sowohl in der Landessprache Urdu als auch auf Englisch erscheint. In ihren Artikeln greift Imran immer wieder die Themen „Frauenrech- te“ und „Menschenrechte im All- gemeinen“ auf. 2009 wurde sie in Pakistan zur „Journalistin des Jah- res“ gewählt. Sie war für Radio Pakistan im Einsatz und leitete 2010 einen Dokumentarfilm über die Stadt Balakot, die 2005 von einem schweren Erdbeben zerstört wurde. Imran ist außerdem Vorsit- zende des Forums pakistanischer Journalistinnen und Ansprechpart- nerin für das Thema „Gleichbe- rechtigung“ im nationalen Journalis- tennetzwerk „Journalism Pakistan“. Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt Imran in Pakistans Hauptstadt Islamabad.

Seitenübersicht