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missio_ebooks_04_2013

missio magazin 4/2013 45 sem Flüchtlingslager quasi eine eigene Tuareg-Regierung, die das Zusammenleben organisieren und das Überleben sichern soll. Sie ver- handeln mit den Mitarbeitern der Vereinten Nationen, die das Flücht- lingslager leiten. Und sie sind der erste Ansprechpartner für Neuan- kömmlinge. Denn noch immer treffen neue Flüchtlinge ein – manchmal mehrere hundert am Tag. Viele haben nur das mitge- bracht, was sie am eigenen Leib oder mit den eigenen Händen tra- gen können. Das Tuareg-Komitee weist ihnen den Platz zu, an dem sie sich niederlassen können – gemäß den Vorgaben der UNO. Täglich treffen neue Flüchtlinge ein „Eigentlich ist das nichts für uns“, sagt Muphtah ag Mohamed. „Wir sind Nomaden und lassen uns nicht gerne in solche Parzellen zwingen.“ Ihm wäre es lieber, wenn sich seine Leute nach ihrem eigenen Willen ansiedeln könnten. „Gebt uns einen Hektar Land und wir entscheiden selbst, wo wir unsere Zelte auf- schlagen.“ Doch kaum hat er diese Forderung ausgesprochen, schon schwächt er sie ab – für den Mo- ment ist er zufrieden, überhaupt noch am Leben zu sein. Täglich wächst die Zeltland- schaft am Rande der Wüste. Men- tao besteht inzwischen aus vier ein- zelnen Flüchtlingslagern, und nahe der Stadt Dori gibt es dazu noch das Camp Goudebo. In einem der Zelte dort sitzt gerade Madina Soufiane. „Es ist fast schon Mittag,“ sagt sie. „Ich muss das Essen zubereiten.“ Was wie eine einfache Alltagsaufga- be klingt, umschreibt ganz hand- fest, mit welchen Problemen die Flüchtlingsfrau zu kämpfen hat. Sie muss eine Großfamilie ernähren, mit ihren kleinen Kindern, ihrer eigenen Mutter, den Cousins, und einigen Nachbarn, die gerade neu eingetroffen sind. „Ich weiß nicht, wo ich genügend Zutaten herbe- kommen soll.“ Die letzte Lebens- mittelverteilung liegt bereits einige Tage zurück, die knappe Ration reicht kaum aus für alle. „Hier habe ich nicht mal Milch“, sagt Madina Soufiane. „Zu Hause konnte ich einfach unsere Ziegen melken.“ Die Tuareg, so scheint es, sind die doppelten Verlierer in der Mali- Krise. Erst scheiterte der Versuch der Rebellenbewegung MNLA, eine eigene Tuareg-Nation namens Azawad zu gründen. Dann erwiesen sie sich als zu schwach im Konflikt mit den Islamisten. Während die Islamisten wohl längst auf einen Angriff der Europäer vorbereitet waren und sich in unwegsamen Gebirgsregionen verschanzt haben, kämpfen die Tuareg nun als Flücht- linge ums nackte Überleben. „Wir sind es nicht gewohnt, uns auf fremde Hilfe zu verlassen,“ sagt Muphtah ag Mohamed. „Bisher konnten wir uns immer selber hel- fen. Vor allem Dank unserer Tiere.“ Davongekommen: Kamis Ag Idadiahi (u.) ist mit seiner jungen Frau und der gemein- samen Tochter geflo- hen. „ Wir wissen nicht, wann wir wieder nach Hause können.“ Die Frage, ob Flüchtlinge in den Lagern ihre Schaf- und Ziegenher- den halten dürfen, ist einer der größten Diskussionspunkte mit den lokalen Behörden und der UNO. Viele Malier haben ihre Tiere mitgebracht, andere sagen: „Unsere Herden sind noch unterwegs und werden bald hier ankommen.“ Im Februar 2013, nach dem schnellen Erfolg der französischen Militäroperation, dachten viele, dass auch die Flüchtlinge bald zurückkehren könnten. „Aber das ist unmöglich“, sagt Muphtah ag Mohamed. Man höre von Übergrif- fen und Racheakten auf Rückkeh- rer. Jeder verdächtige jeden. „Wer jetzt zurückgeht, trifft auf Ex- Rebellen, auf Ex-Jihadisten, auf Ex- Soldaten“. Und es fehlen die genau- en Informationen. Madina Soufiane sagt: „Es ist ganz schwer, Nachrich- ten von zu Hause zu bekommen. 40-47_burkinaF-malituarg_13-04_!.qxd:40-47_burkinaF-malituarg_13-04 24.05.2013 19:57 Uhr Seite 45

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