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missio_ebooks_04_2015

MSGR. GIORGIO BERTIN (69): „UNSERE PRÄSENZ IST IN DIESER GESELL- SCHAFT IMMER NOCH MÖGLICH.“ >> Am tiefsten Punkt Afrikas, 155 Meter unter dem Meeresspiegel, ha- ben sich zwei Kamele niedergelas- sen. Die Hufe unter den Bäuchen, die Köpfe elegant erhoben. Die Hal- terungen auf den Kamelrücken sind halb leer. Zwei Männer in Hemden und um die Hüften gewickelten Tü- chern stehen neben den Tieren und zupfen an den Befestigungen herum. Bei ihnen ist ein kleiner Junge. Da sehen die Männer das näher kom- mende Auto. Sie gestikulieren, re- den auf den Jungen ein, und schon rennt er über den von Salz durchzo- genen Sand hinweg zu seinem Ver- kaufsstand. Auf aufgetürmten, von einem Blech abgedeckten Steinen bietet er die Schätze des Lac Assal an: Salz, in allen Varianten. Der Stand und der Junge, das ist alles. Von weiteren touristischen At- traktionen keine Spur. Keine Hotels, keine Kameltouren, keine Souvenirs. Auch sonst fällt im Hinterland von Dschibuti vor allem auf, was nicht da ist: Kaum Grün, weil kein Was- ser da ist. Kaum Menschen und Tiere, weil kein Grün da ist. Und doch: Der Tourismus soll boomen, hier, am Horn von Afrika. Dem Tor nach Ostafrika, wie die Kampagne des Ministeriums das kleine Land bewirbt. In der Tat lässt sich Dschibuti nur als Tor zu seinen Nachbarn verstehen. Die geopoliti- sche Lage ist hier alles: Dschibuti hat Äthiopien zum Nachbarn, das wirt- schaftlich aufstrebende 90 Millio- nen-Einwohner-Land, das, seit es im Krieg mit Eritrea seinen Seezugang verloren hat, 85 Prozent seines Au- ßenhandels über das kleine Dschibu- ti abwickelt. Wer mit dem Auto von Dschibu- ti-Stadt aus hierher zum Salzsee fährt, versteht, was das bedeutet: Die Stra- ßen sind voll von Lastwägen. Lang- sam, aber unaufhörlich schiebt sich die Blechkarawane voran. Gestran- dete LKW liegen am Straßenrand. Manchmal macht der Fahrer ein Ni ckerchen. Hin und wieder setzt ein entnervter, zwischen die LKW ge- ratener Autofahrer zu einem ebenso waghalsigen wie sinnlosen Überhol- manöver an. Es gibt kein Entkom- men: Maschinen, Chemikalien, Au- tos, Nahrungsmittel und Rohstoffe aus dem Bergbau rollen über die Stra- ßen Dschibutis – im Jahr 2013 im Wert von rund 14 Milliarden Dollar. Schwer beladen ist die Karawane nur in Richtung Äthiopien. Die Importe seitens Addis Abeba übersteigen die Exporte um ein Vielfaches. 4000 Lastwägen rollen über die Grenzen ins Nachbarland, Tag für Tag. Aber Äthiopien ist eben nicht der einzige Nachbar des Landes am Horn von Afrika. Etwa 2800 Soldaten aus Frankreich sind in Dschibuti statio- niert, um das Land vor den Einflüssen aus einem anderen Nachbarstaat zu schützen: Somalia, dem Land, aus dem die al-Shabaab-Milizen heraus operieren und in tödlichen Anschlä- gen die eigene Bevölkerung und die umliegender Länder terrorisieren. 25missio magazin 4/2015

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