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missio_ebooks_03_2016

Flor und Anna sind zwei Filipinas, die es geschafft haben. Man trifft sie auf dem Areal des „religious complex“, wo die katholische, evangelische und ortho- doxe Kirche untergebracht ist. Freitag früh, also am Sonntag der Muslime, ist dort Messe in der philippinischen Lan- dessprache Tagalog, und die Kirche ist mit einigen tausend Filipinos brechend voll. Flor singt im Kirchenchor. Nach der Messe trifft man sich vor der Kirche und tauscht sich aus. Flor und ihre Schwester Anna arbei- ten in guten Positionen bei Baufirmen. Flor hat derzeit mit dem gigantischen Projekt „neuer Hafen“, an dem 20000 Menschen arbeiten, zu tun. „Für mich war Katar eine große Chance. Was ich hier aufgebaut habe, hätte ich auf den 22 | missio 4/2016 Philippinen nie erreicht“, sagt sie. Was gefällt ihr hier im Wüstenstaat? „Die Si- cherheit. Es wird nichts gestohlen. Wir bewegen uns frei, wir Frauen dürfen Auto fahren, das geht in Saudi-Arabien nicht. Ich weiß hier, was der nächste Tag bringt“, sagt sie. Auch sie schickt Geld nach Hause, ihre mittlerweile erwachse- nen Kinder sind ohne die Mutter aufge- wachsen, ihr Mann hat sich längst ge- trennt. „Einfach war es nicht, aber es war meine Entscheidung“, sagt sie. Rückhalt in der Gemeinde Andere, wie die Krankenschwester Daisy, finden bitterere Worte. „Das große Haus, das ich mit meinem Gehalt hier auf den Philippinen gebaut habe, ist alles, was mir von der Zeit hier bleibt“, sagt sie. „Wir alle hier verkaufen unsere Zeit. Wir verkaufen unser Leben, weil es zu Hause nichts für uns gibt“, sagt sie. Die 56-Jäh- rige ist 1989 nach Katar gekommen, Mann und Kinder leben auf den Philip- pinen. „Mein Mann war fünf Jahre mit mir hier, das war die beste Zeit. Dann wurde er krank und ist zurückgekehrt. Ich habe hier gearbeitet, damit wir uns seine Behandlung leisten konnten.“ Rückhalt habe die philippinische Ge- meinde geboten, diese Insel in einer Um- gebung, die über Jahrzehnte hinweg nicht zur Heimat geworden ist. Den Aufbau dieser Gemeinde hat Thelma begleitet. Thelma, von der die an- deren sagen, sie sei eine weitere Mutter Teresa. „Ich kann offen sprechen“, sagt Thelma,“denn ich fliege in zwei Wochen nach Hause nach Manila. Ein für alle Mal.“ Als Thelma vor 37 Jahren mit ihrem Mann nach Katar kam, waren noch mehr Kamele auf den Straßen als Autos. An den Bau einer Kirche in dem wahhabi- tisch islamischen Land war nicht zu den- ken. „Also stellten mein Mann und ich unsere Wohnung zur Verfügung, denn ein Priester aus Polen hatte angeboten, dort mit uns die Messe zu feiern.“ Als ein Nachbar sie an die Polizei verriet, zogen sie um – und machten im neuen Domizil weiter. Bis der Emir schließlich den Mil- lionen Gastarbeitern den Bau von Got- teshäusern auf einem speziell ausgewie- senen und gesicherten Areal auf dem Bo- VOR ORT KATAR Die Industriezone; dort liegen die Unterkünfte der philippinischen Arbeiter. THELMA: „Ich kann offen sprechen, denn ich fliege in zwei Wochen nach Hause nach Manila. Ein für alle Mal.“

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