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missio_ebooks_05_2015

N missio magazin 5/2015 43 >> „Niemand kann sich aussuchen, wo er geboren wird. Für Gambella würde sich keiner freiwillig ent- scheiden.“ Die Worte des Flücht- lingsbeauftragten in Addis Abeba klingen noch nach, als das Flugzeug in Gambella landet. Der junge Mann namens Woldeamlak hatte über die Tragödie seines Landes ge- sprochen: über die vielen Menschen, die Äthiopien verlassen, um anders- wo ein besseres Leben zu finden. Und über die, die nach Äthiopien kommen, weil da, wo sie herkom- men, das Leben gar nicht mehr mög- lich ist: aus dem Südsudan, in dem seit Dezember 2013 wieder ge- kämpft und gemordet wird. Aus So- malia, dessen Provinzen Al-Shabaab Milizen terrorisieren. Oder aus Eri- trea, dem Land, dessen Diktator die Wehrpflicht bis zum 50. Lebensjahr ausdehnt. Der sein Land in einen wirtschaftlichen Notstand manöv- riert hat und elementare Menschen- rechte ignoriert. Immense Hitze und Fluten Von Gambella heißt es, daß man die Hölle nicht mehr fürchtet, wenn man dort lebt. Die Region im äu- ßersten Westen Äthiopiens hat we- nig gemeinsam mit dem von Hoch- plateaus durchzogenen Rest des Lan- des. Wenn es heiß wird in Gambel- la ist die Hitze unerträglich. Wenn es regnet, dann so viel, dass alles weggeschwemmt wird, was Men- schen geschaffen haben. Schon am Ausgang des Flughafens stehen Jeeps und Pick-ups mit den Logos all der Organisationen, die in ein Land strömen, wenn akute Not- lage herrscht. Diesmal ist es der wie- der aufgebrochene Konflikt im Süd- sudan, der die internationalen Helfer hierherbringt. 280000 Südsudane- sen suchen derzeit in Äthiopien Zu- flucht. Die Wagen der Helfer rollen vom Flughafen weg über die einzig existierende Straße durch brennendes Land. Immer wieder geht es an lodern- dem Gebüsch vorbei. Hin und wie- der sieht man einen Bulldozer gegen einen einzeln stehenden Baum ram- men, bis er fällt. Land wird gerodet, das sieht man. Im großen Stil. Es gibt auch kleine Lichtblicke. Einen davon zeigt ein Diözesanpries- ter, als er in eine von Mangobäumen gesäumte Allee einbiegt. Die Ge- meinde St. Mary’s in Shebo, die er heute besucht, ist in gewisser Weise eine Utopie: Sie ist das Gegenkon- zept zu dem, was sich derzeit in Gambella abspielt: Hier wachsen Ba- nanen, Papayas, Limetten, Avokados und Mais. 50 Leute finden Arbeit. Verkauft werden die Erzeugnisse an die Bevölkerung im Umkreis. Zu Preisen, die die Einheimischen be- zahlen können. Sicher: Ein ganzes Land könnte wohl kaum in dieser Weise wirt- schaften. Aber so, wie derzeit gewirt- schaftet wird, bleiben die Schwächs- ten auf der Strecke: Das Ackerland in vor ort äthiopien INVESTOREN – EINE REGION IM FOKUS GROSSER KONZERNE missio magazin 5/201543

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