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missio_ebooks_06_2012

missio magazin 6/2012 11 ns mission in Singapur. Dort begegnen ihm Seeleute be dingungen sind für sie ein ständiger Begleiter. Was wissen Sie darüber, wie deren Arbeit konkret aussieht? >> Auf den Fischerbooten herrschen wirklich Zustände wie zu Zeiten der Sklaverei. Als Seemann haben Sie keine Möglichkeit, vom Schiff run- terzugehen. Man kann sich nirgends beschweren, weil anders als auf Con- tainerschiffen auch die Gewerkschaft kaum Einfluss hat. An Bord gibt es ja nicht mal eine gemeinsame Spra- che. Die Kapitäne sind meistens Ja- paner oder Chinesen, die Mannschaft kommt aus Ländern wie Myanmar oder von den Philippinen. Die wer- den dort von einem Agenten ange- worben, der ihnen einen Job ver- spricht, bei dem sie angeblich 200 Dollar im Monat verdienen. Ein philippinischer Farmer erwirtschaf- tet dagegen vielleicht 500 Dollar im ganzen Jahr. << Arbeit auf See erscheint also für viele als Ausweg aus der Armut. Aber was passiert dann? >> Vom Flughafen werden sie di- rekt aufs Schiff gebracht. Da bleibt den meisten die Spucke weg. Die Schiffe sind mit etwa 30 Metern Länge relativ klein, aber es arbeiten um die 36 Leute darauf. Also auf jedem Meter einer. Sie teilen sich zu viert oder zu sechst winzige Quar- tiere. Da verbringen die Menschen dann drei Jahre auf hoher See und kommen nur einmal pro Jahr in einen Hafen. Sonst gibt es keinen Kontakt, kein Internet, keine Briefe. Man ist einfach weg vom Radar. << Die Fischer bleiben wirklich drei ganze Jahre auf dem Meer? Solange kann doch der Fisch gar nicht an Bordbleiben,ohnedasserverdirbt! >> Tuterauchnicht.Dakommtein- fach auf dem offenen Meer ein kleiner Frachter und übernimmt den tiefge- frorenen Fisch. Auf Las Palmas oder anderswo wird er dann umetikettiert und nach Europa geschickt. Wer auf diese Art Fischfang betreibt, hat eine Lizenz zum Gelddrucken. << Welche Möglichkeiten haben Sie, etwas zu verändern? Gerade wenn Sie doch sagen, dass Ihre Arbeit in Singapur streng kontrolliert wird. >> Wir haben es zusammen mit anderen Organisationen geschafft, dass der Beruf des Fischers von den Vereinten Nationen unter den Begriff „Human Trafficking“ aufge- nommen wurde. Das betrifft alle Leute, die unter Vorspiegelung fal- scher Tatsachen in eine Arbeit gelockt werden. Singapur ist damit als Ort benannt worden, an dem Kinder- und Menschenhandel statt- findet. Das hat die Regierung furchtbar geärgert, denn Singapur will sein Gesicht nicht verlieren vor seinen reichen Freunden. << Was war die Reaktion? >> Die Regierung hat nun die so genannte ILO-Konvention unter- schrieben, die auch die Rechte von Seeleuten regelt. Jeder Unter- zeichnerstaat muss in seinem eige- nen Land nach dem Rechten sehen. Wenn also ein Schiff von den Philip- pinen nach Singapur kommt, dann muss es sich auch an die Gesetze hal- ten, die in Singapur gelten. Dadurch werden die Arbeiter an Bord besser vor Ausbeutung geschützt. << Ein erster Schritt - als Grundlage für konkrete Verbesserungen? >> Ja. Jetzt versuchen wir zum Bei- spiel, im Fischereihafen eine kleine Toilette mit Dusche zu bauen – denn auf den Schiffen gibt es nur eine Mini-Zelle zum Waschen, ohne sauberes Wasser. Da schwim- men die Leute praktisch in ihren eigenen Exkrementen. << Interview: Ch. Selbherr D„Die Fischer bleiben drei ganze Jahre auf hoher See - ohne Kontakt nach Hause. Nur einmal im Jahr erreichen sie einen Hafen.“ Die Gründung der Deutschen See- mannsmission geht im Wesentlichen auf eine Initiative des evangelischen Pastors Johann Heinrich Wichern zurück, der beim Kirchentag 1848 auf die Zustände in den Häfen auf- merksam machte. Heute ist sie in 17 deutschen und 20 ausländischen Städten vertreten, in denen etwa 700 haupt- und ehrenamtliche Mit- arbeiter im Einsatz sind. Oft arbei- ten evangelische und katholische Seelsorger eng zusammen. Neben dem seelsorgerischen Dienst bieten sie auch Hilfe im Alltag an – Seeleu- te können in den Einrichtungen der Missionen mit ihren Familien tele- fonieren, das Internet benutzen oder Geld nach Hause überweisen. Der Anteil an deutschsprachigen Seeleuten ist vor allem in den unte- ren Dienstgraden sehr gering geworden; heute stellen die Philip- pinen die größte Seefahrernation mit etwa einem Drittel der weltweit zwei Millionen Seefahrer. Die Philip- pinen sind mehrheitlich katholisch – das Angebot der Seemannsmissio- nen wird daher gerade in den Häfen derjenigen Länder geschätzt, die nicht christlich geprägt sind. Pfarrer Christian Schmidt leitet die Station in Singapur. Er lebt seit 2008 mit seiner Frau und den bei- den Kindern dort. Gerade hat er seinen Vertrag noch einmal um drei Jahre verlängert. Häfen und Meere interessieren ihn, denn er sei ein „verkappter Biologe und leiden- schaftlicher Taucher“. Mehr: www.seemannsmission.org seemannsmission > 10-11_nachgefragt_12-06:10-11_nachgefragt_12-06 01.10.2012 15:15 Uhr Seite 11

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