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missio_ebooks_06_2012

Die Pflanze Artemisia annua gedeiht unter sehr unterschiedlichen klimatischen Bedingun- gen sehr gut. missio magazin 6/2012 13 >> Für die einen ist es überlebens- wichtig, für die anderen ein Luxusgut: Dassogenannte„Buschfleisch“wirdin Afrika und Europa immer beliebter. Gründedafürgibtesviele:Die Bevöl- kerung in Afrika wächst rasant an, immer mehr Menschen sind von WildtierenalsNahrungsquelleabhän- gig oder verdienen ihren Lebensunter- halt mit dem Fleischhandel. Holzfir- men bauen Straßen in vormals un- durchdringlichen Dschungel und er- leichtern somit die Jagd. Und in den urbanen Zentren Afrikas und Europas gilt der Verzehr von Affen, Elefanten, Nilpferden und vielen anderen Tieren zunehmend als „schick“. Mögliche Folgen des Trends sind die lokale Aus- rottung der Tierarten, aber auch die Übertragung von tierischen Krank- heiten auf den Menschen. Um dies zu verhindern, sollen die Jagdkontrollen verschärft werden. Aber ohne das Auf- zeigen von Nahrungs- und Verdienst- alternativen für die betroffene Landbe- völkerung werden sie kaum Aussicht auf Erfolg haben. << >> Unscheinbar sieht sie aus, die große Hoffnung im Kampf gegen Malaria. Und doch werden Arzneien mit dem Wirkstoff der Pflanze Arte- misia annua, im Deutschen einjähri- ger Beifuß, schon seit Jahren erfolg- reich im Kampf gegen die Krankheit eingesetzt. Die Weltgesundheitsor- ganisation WHO empfiehlt seit 2001 Kombinationstherapien mit dem Extrakt Artemisinin als die beste Behandlung gegen Malaria. Die Medikamente enthalten neben dem Pflanzenwirkstoff noch ein zweites Malariamittel. Dadurch soll verhindert werden, dass sich Resis- tenzen entwickeln, wie dies bei frü- heren Malariatherapien der Fall war. Genau dieser Fall ist in einigen Regi- onen jedoch bereits eingetreten. Ver- schiedene Hilfsorganisationen be- mängeln zudem, dass die Medika- mente in armen Ländern oft zu teuer oder gar nicht erst verfügbar sind. Ihr Alternativkonzept: Ein Tee direkt aus den Blättern der Artemisia an- nua. In Deutschland setzt sich vor allem die Organisation „Aktion Na- türliche Medizin“, abgekürzt Ana- med, mit Sitz in Winnenden für den Anbau der Pflanze und die Selbst- therapie mit daraus zubereiteten Tees ein. Die Aktivisten verweisen auf zahlreiche erfolgreiche Anwendungen – auch durch Missionare deutscher Ordensgemeinschaften – und die lange Tradition der Pflanze in der chi- nesischen Heilkunde. Zudem wurde die Wirksamkeit des Tees in mehre- ren wissenschaftlichen Tests bewiesen. Eine groß angelegte und damit teure klinische Studie steht jedoch noch aus. Mit ihrem Engagement zogen sich die Befürworter einer direkten Nutzung der Pflanze den Zorn der Weltgesundheitsorganisation WHO zu: Sie argumentiert, dass ein Tee auf- grund der geringen Wirkstoffdosie- rung den Erreger im Körper nicht völlig bekämpft. Die Betroffenen würden so mit hoher Wahrscheinlich- keit erneut erkranken. Außerdem be- fürchtet die WHO die Entwicklung von Resistenzen, wenn der Wirkstoff nicht mit einem anderen Malariamit- tel kombiniert wird. Damit würde auch dieses hochwirksame Malaria- mittel unbrauchbar gemacht. Die Hilfsorganisation Anamed bestreitet die Vorwürfe. Sie argumentiert, dass im Gegenteil gerade die industrielle Isolation von Artemisinin Resistenzen verursacht, während bei der Verwendung der ganzen Blätter das Zusammenspiel einer Vielzahl von Wirkstoffen die Resistenzenbildung verhindert. Der Gründer und Geschäftsführer von Anamed, Dr. Hans-Martin Hirt, hat eine andere Erklärung für die Ab- wehrhaltung der Weltgesundheits- organisation: „Die WHO ist finan- ziell von den Pharmaunternehmen abhängig. Diese verdienen aber nur mit Malariatabletten Geld, und nicht mit Pflanzen, die die Menschen selbst anbauen können.“ In ihrem World Malaria Report 2011 geht die WHO von 665 000 Malariatoten allein im Jahr 2010 aus. Die renommierte medizinische Fachzeitschrift Lancet veröffentlichte im Februar eine Studie, wonach 2010 sogar über 1,2 Millionen Men- schen an Malaria starben. << Damaris Stocklassa AFFEN AUF DEM SPEISEPLAN In Teilen Afrikas nimmt die Jagd auf Wildtiere zu. Fotos:MBDA,Reuters,anamed WUNDERWAFFE GEGEN MALARIA? Ein Tee soll Malaria kostengünstig bekämpfen. Aber die Weltgesundheits- organisation ist gegen den Einsatz. 12-13_Facetten-Inter_12-06_neu:12-13_Facetten-Inter_12-06 01.10.2012 17:27 Uhr Seite 13

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