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missio_ebooks_06_2012

blickwechsel kongo missio magazin 6/201232 >> Justine Kayembe ist keine große Frau, ungefähr 1,65 groß. Aber in ihrer Brust schlägt das Herz einer Löwin. „Im Leben muss man kämp- fen!“, dieser Satz ist zu ihrem Lebensmotto geworden. Jeden Morgen um 5.00 Uhr steht Kayembe auf und nimmt die Bahn um 5:50 Uhr von Peters- hausen nach München. Seit August arbeitet sie im Missiogebäude als Raumpfle- gerin. Dabei hat Kayembe ein abgeschlossenes Studium der Wirtschaftswissenschaften und eine Ausbildung als Alten- pflegerin. Aber das Hochschuldiplom stammt aus ihrem alten Leben, dem Kongo, der Abschluss wird in Deutschland nicht an- erkannt. Und der Schichtdienst im Altenheim hatte das Famili- enleben der vierfachen alleiner- ziehenden Mutter zu sehr be- einträchtigt. Das alte Leben von Justine Kayembe endete 1992. Ihr da- maliger Mann war im Kongo Politiker gewesen, als politische Flüchtlinge beantragten sie Asyl in Deutschland. Ihre El- tern hat Kayembe seit 30 Jah- ren nicht mehr gesehen. Sie telefonieren und Kayembe schickt ihnen Geld, aber ein Besuch würde zu viel kosten. Inzwischen hat sie in Deutsch- land eine Heimat gefunden, auch wenn der Beginn schwer war und ihr Deutsch immer noch holprig klingt. Für einen Deutschkurs fehlte die Zeit. Trotzdem wollte die Kongole- sin eine Ausbildung zur Alten- pflegerin machen – zu diesem Zeitpunkt war sie bereits 37 Jahre alt. Aber sie wollte ihren Kindern ein Vorbild sein. „Vie- le Jugendliche machen keinen Abschluss. Und das wollte ich nicht für meine Kinder. Ich wollte ihnen zeigen, dass es hier in Europa so viele Mög- lichkeiten gibt.“ Leicht war die Zeit nicht. Kayembe erzählt von Zweifeln, ob sie die Aus- bildung trotz ihrer mangelhaf- ten Deutschkenntnisse schaffen würde. Morgens stand sie oft um vier Uhr auf, um vor der Altenpflegeschule noch für die Kinder vorzukochen. Aber sie wird auch nie das überwälti- gende Gefühl vergessen, als sie den Abschluss endlich in den Händen hielt. Wenn Kayembe über ihre Arbeit als Altenpflegerin spricht, gerät sie ins Schwärmen: „Was mir in Deutschland am besten gefällt, sind die alten Leute!“ Obwohl sie nicht mehr in dem Altenheim arbeitet, besucht sie die Senioren jedes Wochenende. Seit einigen Monaten arbeitet Kayembe jetzt als Raumpflege- rin. Durch die Schicht- und Wochenendarbeit im Alten- heim hatte sie ihre Kinder manchmal kaum noch gesehen. Was ihr an ihrer neuen Arbeit gefällt? „Ehrlich? Nur, dass ich meine Kinder jetzt mehr sehe. Und ich kann meine Arbeit machen, ohne dass mir einer die ganze Zeit Anweisungen gibt.“ Ihre Kinder wissen nicht, dass sie jetzt putzt. Sie würden sich für ihre Mutter schämen, sagt Kayembe, deshalb erzählt sie ihnen, dass sie immer noch als Altenpflegerin arbeitet. Irgend- wann wünscht sie sich, wieder in ihren Beruf zurückkehren zu können. Ihr Elan hat sie auf jeden Fall nicht verlassen: „Auch wenn es im Leben schwer ist: Wenn ich sage ich schaffe es, dann schaffe ich es auch. Auch mit meinem Kata- strophendeutsch. Ich kämpfe. Von Natur aus bin ich ein Kämpfermensch. << D. Stocklassa SAUBERE ARBEIT W„Was mir in Deutschland am besten gefällt, sind die alten Leute.“ Sie besucht jedes Wochenende ein Seniorenheim. JUSTINE KAYEMBE, Raumpflegerin mit dem Herz einer Löwin. Foto:ChristophMukherjee,fotolia 32-33_Blickwechsel_12-06:32-33_Blickwechsel_12-06 01.10.2012 15:56 Uhr Seite 32

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