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missio_ebooks_06_2012

blickwechsel togo missio magazin 6/2012 33 >> Wenn die Stadt um halb acht Uhr langsam erwacht, macht Komi Dayo zum ersten Mal Pause. Sein halber Arbeits- tag liegt da schon hinter ihm, denn bei der Straßenreinigung in München beginnt die Schicht um drei Uhr morgens. Herr Dayo fährt mit seinem Kehrwagen durch die Innen- stadt, er reinigt zum Beispiel die Fußgängerzone und den Ma- rienplatz vom Schmutz des ver- gangenen Tages. Er ist einer von 450 Mitarbeitern. Die große Mehrheit hat ausländische Wur- zeln. Wie Komi Dayo. Er kam als Flüchtling Geboren wurde er 1959 in Togo. „Dort hatte ich auch einen guten Beruf“, sagt er. Er war Geschäfts- mann, arbeitete in einem Wa- renhaus in der Hauptstadt Lomé. Doch Anfang der 90er-Jahre musste er vor dem Regime des Diktators Eyadema fliehen. In Bayern bekam er Asyl. „Deutschland hat mir mein Leben gerettet,“ sagt Dayo. Aber er betont auch, dass er selbst es war, der sich mit harter Arbeit ins deutsche Alltagsleben hinein gekämpft hat: Anfangs war er Hausmeistergehilfe bei der Ar- beiterwohlfahrt; dann wurde er zunächst für sechs Monate Aus- hilfe bei der Straßenreinigung. Jetzt ist er schon zwölf Jahre dort, die Stadt gilt als sicherer Arbeitgeber. Nicht ohne Stolz sagt er: „Ich verdiene mein eigenes Geld und kann damit meine Kinder unterstützen.“HerrDayohatvier Kinder: zwei Söhne und zwei Töchter. Ein Sohn studiert an einer Universität im Senegal, eine Tochter macht demnächst Abitur in Togo. Die ältere Tochter lebt in München und hat das erste Enkelkind zur Welt gebracht. Der ältere Sohn arbeitet als Koch in einem vor- nehmen Hotel am Münchner Hauptbahnhof. Jetzt hilft er anderen Dass es in seinem Geburtsland in Westafrika viel Armut gibt, wusste er. Aber erst, als er vor ein paar Jahren dort Urlaub machte und Verwandte besuch- te, schockierte ihn, was er sah. „Vorher ist mir das nie so aufge- fallen.“ Er fuhr mit seinem Nef- fen in den Osten des Landes. Der Neffe arbeitet als Architekt, und zeigte ihm eine seiner Baustellen. Es war ein Kinderheim, betrie- ben von einer Gemeinschaft von Ordensschwestern, die sich unter einfachsten Bedingungen um Kinder in Not kümmern. „Diese Kinder gehen mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf,“ sagt Dayo. Manche hat- ten keine Eltern mehr, andere waren von der Familie weggege- ben worden, weil sie mit einer Behinderung zur Welt gekom- men waren. Bei anderen fehlte den Eltern schlicht das Geld, um sie zu ernähren. Dayo beschloss zu helfen. Aber wie? Er selbst hat nicht viel Geld, denn als Straßen- reiniger verdient man höchstens 2000 Euro brutto. „Und das meiste geht ja für die Miete und die Rechnungen schon wieder weg!“ sagt Dayo. AbererversprachdenSchwes- tern, in Deutschland Unterstüt- zer zu suchen. Er ist dabei, einen Verein zu gründen, und wandte sich auch an Hilfswerke wie missio. Und er hofft auf weitere Mitstreiter. „Denn ich brauche Leute mit Erfahrung. Ich kenne Deutschland zwar inzwischen ganz gut,“ sagt Dayo. „Aber wie das alles gesetzlich geregelt ist, wie man einen Verein gründet - da kann ich jede Hilfe brau- chen.“ << Ch. Selbherr D KOMI DAYO, Straßenreiniger mit einem Herz für Kinder. Sie sorgen dafür, dass Deutschland sauber bleibt. Aber wer steckt hinter den Menschen, die mit Putzlappen oder Kehrbesen unterwegs sind? Justine Kayembe wurde im Kongo geboren und hat ein Hochschuldiplom in Wirtschaftswissenschaften. Komi Dayo kam als Flüchtling aus Togo nach München. Heute hilft er benachteiligten Kindern in Westafrika. „Deutschland hat mir mein Leben gerettet.“ Aber er hat auch gelernt, dass man sich in Europa vor allem selber helfen muss. Foto:ChristophMukherjee,fotolia 32-33_Blickwechsel_12-06:32-33_Blickwechsel_12-06 01.10.2012 15:56 Uhr Seite 33

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