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missio_ebooks_06_2012

>> „Der Libanon ist ein christlicher StaatumgebenvoneinemMeerislami- scherStaaten.“Wennmansichchristli- chen Libanesen gegenüber so äußert, hat man schon gewonnen. Doch wie sieht die Wirklichkeit aus? Schon auf dem Höhepunkt des libanesischen Bürgerkriegs (1975- 1990) lag der Bevölkerungsteil der Christen im Libanon bei einer Ge- samtbevölkerung von 2,2 Millionen Einwohnern nur noch bei insgesamt 25 Prozent (Maroniten 16 Prozent), gegenüber 41 Prozent Schiiten, 27 Prozent Sunniten und sieben Pro- zent Drusen. Und der Bürgerkrieg, in dem christliche Gruppierungen – zumeist von Clans bestimmt – eine wesentliche Rolle gespielt haben, hat der christlichen Präsenz im Liba- non zwar noch nicht den endgülti- gen Todesstoß gegeben, auf jeden Fall aber ihre lange und langsame Agonie eingeleitet. Viele der wohl- habenden Christen haben das Land verlassen, sich in Frankreich oder den USA niedergelassen, und besu- chen den Libanon nur noch in den Sommermonaten, die sie in ihren Herkunftsorten in der Kühle des Libanongebirges verbringen. Im Libanon geblieben sind vor allem jene Christen, die in der westlichen Welt keinen familiären Anknüp- fungspunkt haben oder denen schlicht die materiellen Mittel für den Umzug in ein ‚sicheres‘ Land im Westen fehlten. Grundlage des Zusammenlebens von Christen, Muslimen und Drusen ist der ungeschriebene Nationalpakt aus dem Jahr 1943, der dem Staat Libanon eine konfessionelle Grundla- ge gab. Danach muss der Staatspräsi- dent immer Maronit, der Minister- präsident immer Sunnit, der Parla- mentspräsident immer Schiit, der Generalstabschef immer Druse sein. Zudem sollten die auf Christen und Muslime entfallenden Parlamentssit- ze im Verhältnis sechs zu fünf verteilt werden. Reiche Clans betrachten das Land als Privatbesitz Beim Versuch den langjährigen Bür- gerkrieg zu beenden, über dessen Auslöser bis heute gestritten wird – die Christen behaupten, die Palästi- nenser hätten angefangen, die Musli- me behaupten, die maronitischen Falangisten hätten angefangen -, war der Nationalpakt neuerlich Verhand- lungsgrundlage zwischen den Kon- fessionendesLibanon.DassdieChris- ten nicht auf dem status quo beste- hen konnten war von vorneherein klar, auch wenn keine der Gruppen Interesse an einer Volkszählung hatte, die allein Klarheit über den tatsächlichen Bevölkerungsanteil der einzelnen Gruppen hätte bringen können. So einigte man sich 1989 im saudi-arabischen Taif auf einen neuen Grundlagenvertrag, der sich am Na- tionalpakt von 1943 orientierte, nun aber eine gleiche Zahl von Sitzen für Christen und Muslime im Parlament vorsah und die Machtbefugnis des maronitischen Präsidenten beschnitt. Wer nun geglaubt hat, der Liba- non würde damit friedlichen Zeiten Der Bürgerkrieg in Syrien erschüttert die Region: Im Südlibanon bekämpfen sich Anhänger und Gegner des syrischen Machthabers Assad, im Land fürchtet man einen politischen Flächenbrand. Ein Viertel der Bevölkerung des Zedernstaates sind Christen, Tendenz sinkend. Nicht zuletzt aufgrund der politischen Machtspiele christlicher Politiker. Foto:fotolia,missio missio magazin 6/201238 NACHBAR VON MORD UND TOTSCHLAG 38-39_Im-Vorder_12-06:38-39_Im-Vorder_12-06 01.10.2012 16:03 Uhr Seite 38

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