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missio_ebooks_06_2012

missio magazin 6/201242 Gut zu Fuß: Schwester Marina Magaiva macht sich morgens auf den Weg in die Dörfer. Erst seit kurzer Zeit ist die Stra- ße nach Tapini auch für Autos befahrbar. N>> Nein, sagt die junge Mutter. Besonders weit ist sie heute eigent- lich nicht gegangen. Nur über die- sen Berg da drüben. Und noch über den nächsten. Dann wäre sie auch schon wieder zu Hause. Als sie los- ging, war es gerade hell geworden. Jetzt wartet sie vor der Klinik da- rauf, dass sie aufgerufen wird und ihren kleinen Sohn untersuchen las- sen kann. „Ich will ihn auch impfen lassen,“ sagt die Frau. Ein stunden- langer Fußweg über Berg und Tal ist für die Menschen in dieser Region ganz alltäglich. Das Dorf Tapini ist eine Bergsta- tion in Papua-Neuguinea, wo das unwegsame Hochland gerade so richtig beginnt. Um genauer zu sein: Nur, wer von der etwa acht Autostunden – oder mehrere Tages- märsche – entfernten Hauptstadt Port Moresby zu Besuch kommt, spricht vom „Bergdorf Tapini“. Die Menschen, die hier aufgewachsen sind, sagen: „Wir gehen hinunter ins Tal.“ Weil sie selbst in noch viel höher gelegenen Dörfern leben. Wie das Ehepaar Morris Oki und Teresa Aida. Sie sind vor kurzem hierher in den Distrikt Goilala gezogen. „Es gab gutes Land für uns,“ sagt Herr Oki, Vater von vier Kindern. Die Familie wird etwa zehn Jahre an die- sem Ort bleiben, und dann weiter- ziehen. So ist es in ihrer Kultur üblich. „Aber im Moment wollen wir, dass unsere Kinder hier zur Schule gehen können“, sagt Oki. Gegründet wurde die Station von den „Missionaries of the Sacred Heart“ (MSC - Herz-Jesu-Missiona- re). Es gibt eine Kirche, eine Schule und eine Klinik. Dort arbeitet zum Beispiel die Ordensschwester Mari- na Magaiva. Sie versorgt jeden Mor- gen die vielen Mütter, die mit ihren Kindern über die Berge gewandert sind. „Unser größtes Problem ist zur Zeit Tuberkulose,“ sagt Sr. Marina. Auch als Hebamme ist sie oft im Einsatz. Vor 80 Jahren „entdeckt“ Dass im Hochland von Neuguinea überhaupt Menschen leben, war lange Zeit gar nicht bekannt. Die schroffen, dicht bewaldeten Ge- birgszüge galten als unbewohnt. Erst, als ab 1930 drei Australier die Gegend auf der Suche nach Gold er- kundeten, stießen sie auf ganze Völ- ker, die bisher ohne Kontakt zur Außenwelt gelebt hatten. Es war eine Überraschung für beide Seiten. Auch die Hochländer hatten bisher gedacht, sie seien das Zentrum der Welt. Noch heute erzählen die Älte- ren, dass sie die ersten Weißen als eine Art Geisterwesen sahen, die aus der Welt der Ahnen herüber ge- kommen sein mussten. In der Folgezeit wurde das Hochland ein Ziel für Völkerkund- ler, Natur- und Sprachforscher. Und für Abenteurer auf der Suche nach Reichtümern - bis heute. Zum Be- zirk um Tapini gehört auch die schwer zugängliche Goldmine von Tolukuma. Sie gibt vielen Menschen Arbeit, sowohl im Bergbau als auch für kleine Händler und Ackerbau- ern. Doch die Schäden für Mensch und Natur sind dramatisch. Ein Mann aus Tapini, der in seiner Ju- gend einige Jahre in der Goldmine gearbeitet hat, berichtet: „Von neun Klassenkameraden, die mit mir dort anfingen, bin ich als einziger noch am Leben.“ Die anderen seien krank geworden, vor allem wegen des Quecksilbers, das in der Mine zum Einsatz kam. So ist sie, die so genannte Zivi- lisation: Sie bringt den Menschen Schulen und Krankenhäuser, aber eben auch Krankheit und Zerstö- rung. Doch die Moderne lässt sich nicht aufhalten. Das Tor zur Welt ist längst geöffnet, und man kann es nicht mehr schließen. Dieser Mei- nung ist zum Beispiel auch der Anthropologe Wulf Schiefenhövel, der seit vielen Jahren in Neuguinea forscht: „Man kann Menschen nicht in ein Reservat stecken und ihnen sagen: Bleibt so schön ursprünglich, wie ihr es immer wart! Die Ge- 40-45_Papua-Tapini_12-06_B.qxd:40-45_Papua-Tapini_12-06 01.10.2012 17:40 Uhr Seite 42

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