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missio_ebooks_06_2012

Männer, offensichtlich betrunken. Sie riefen ihr einige Schimpfwörter hinterher, plötzlich stand einer auf und warf ihr einen Steinbrocken nach. Er traf sie am Kopf, sie fiel blutend zu Boden. Inzwischen hat sie sich zwar wieder einigermaßen erholt, doch der Schock sitzt tief. „Ich arbeite seit zwölf Jahren hier“, sagt die Hebamme. „Du hilfst ih- nen, ihre Kinder zur Welt zu brin- gen, und trotzdem tun sie dir das an!“ Dann wendet sie sich der näch- sten jungen Mutter zu, die Hilfe braucht. << papua-neuguinea Der Inselstaat Papua-Neuguinea mit seinen 6,86 Millio- nen Einwohnern ist in diesem Jahr Beispielland im Monat der Weltmission. Bischöfe, Ordensleute und weitere Projektpartner sind im Oktober auf Einladung von missio zu Gast in Deutschland und berichten von ihrer Arbeit. Auch der Bischof der Diözese Bereina, Rochus Tatamai, gehört dazu. In seinem Bistum liegt die Station Tapini, von der diese Reportage handelt. Bischof Tatamai wird u.a. in den Bistümern Augsburg und Passau unterwegs sein. Termine und weitere Infor- mationen auf www.missio.com und bei Dr. Michael Kri- scher, Tel.: 089-5162 247. Einen kurzen Video-Film über das Dorf Tapini gibt es kostenlos auf DVD zu bestellen bei missio, Tel.: 089-5162-0, info@missio.de. Er ist auch im Internet verfügbar auf www.missio.com. Dort finden sich viele weitere Berichte über das Enga- gement der missio-Partner in Papua-Neuguinea. ziemlich heruntergekommen“, sagt Sr. Marina, die dem einheimischen Orden „Handmaids of the Lord“ an- gehört. Die Kirche wurde gebeten, sich erneut zu kümmern, und der australische Missionar Brian Cahill hat die Station wieder nach vorne gebracht - mit Hilfe vor allem aus seiner Heimat. Doch es ist nicht so, dass sich die Regierung in Port Moresby über- haupt nicht engagieren würde. Der Staat gibt einen Zusschuss zu den Unterbringungskosten für diejeni- gen der insgesamt 270 Schüler, die einen Internatsplatz bekommen ha- ben. Auch ein großer Teil des Kli- nikpersonals wird vom Staat be- zahlt. Gerade setzt sich ein robuster Geländewagen in Bewegung, der die holprigen Straßen erklimmt. Arzthelfer sitzen darin, sie wollen ei- nige Dörfer besuchen und den Men- schen Impfungen anbieten. Aber der oft gehörte Vorwurf bleibt: Die Regierug müsse mehr tun. In Tapini hat auch die Verwal- tung des Distrikts Goilala einen Sitz. Doch das Büro steht meist leer, die Beamten verbringen ihre Zeit lieber unten an der Küste. Schließ- lich gilt das Hochland auch unter den Einheimischen als Hort von Kriminalität und Gewalt. Gebildete Hauptstädter blicken oft verächtlich auf die angeblich so rückständigen und unzivilisierten Hochländer. In der Tat ist Gewalt weit ver- breitet. Erst vor ein paar Wochen ging Schwester Marina nach der Ar- beit ihren üblichen Fußweg nach Hause. Am Wegrand saßen ein paar Morris Oki (l.) im Gespräch mit Pfarrer Casmiru Kito. Um stets erreichbar zu sein, hat Herr Oki sein Mobil- telefon umgehängt. trisches Licht gibt es zu Hause nicht. Sie verließ das Wohnhaus, in dem alle im selben Raum schlafen, kochen und essen, zog sich ihre Schuluniform an und marschierte ei- nen Trampelpfad den Berg hinab. Jetzt sitzt sie in der Computerklasse vor einem modernen PC. „Es macht mir zwar nicht so viel Spaß“, sagt die Schülerin, „aber wir lernen hier wichtige Dinge.“ Die technische Revolution hat inzwischen auch die- sen Fleck der Erde erreicht. Seit vor gut zwei Jahren die Firma „Digicel“ das Mobilfunknetz in Papua-Neu- guinea ausgeweitet hat, kann fast jeder per Mobiltelefon auch das Internet benutzen. Wenn Linda Oki und ihre Mitschüler weiter lernen, gehören sie bald auch dazu. „Wenn man bedenkt, wo unsere Kinder herkommen, ist das wirklich bemerkenswert,“ sagt Sr. Marina Magaiva. „Die Schule öffnet ihnen ein Fenster zur Welt.“ Doch so weit wie heute war Papua-Neuguinea eigentlich schon einmal. Es fällt auf, wie viele ältere Menschen beinahe perfekt Englisch sprechen. Von den Jüngeren dagegen können nur we- nige eine Fremdsprache. Das Schul- wesen ist seit der Unabhängigkeit 1975 deutlich schlechter geworden, heißt es. Das gilt besonders für das Hochland. Und das ist auch mit ein Grund, weshalb Tapini heute wieder zum großen Teil von der katholi- schen Kirche finanziert und unter- halten wird. In den 50er-Jahren gebaut, wurden die Einrichtungen 1984 an den jungen Staat überge- ben. „Mitte der 90er-Jahre war alles > 40-45_Papua-Tapini_12-06_B.qxd:40-45_Papua-Tapini_12-06 01.10.2012 17:40 Uhr Seite 45

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