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missio_ebooks_06_2012

missio magazin 6/201208 >> 47Jahrelanghabeichfastdurch- gängig in Mali gelebt und war dort „Mädchen für alles“. Im Auftrag der Afrikamissionare Weiße Väter habe ich die katholischen Gemeinden unterstützt, habe Kirchen, Schulen, Sozialzentren gebaut. Obwohl die Christen in Mali mit etwa zwei Pro- zent eine extreme Minderheit dar- stellen, hat es nie größere Feindse- ligkeiten mit der muslimischen Bevölkerungsmehrheit oder den Animisten gegeben. Das hat sich in den vergangenen Monaten geändert: Islamistische Gruppen wollen die Scharia in ganz Mali einführen, in Gao (Anm. der Redaktion: Stadt im Nordosten von Mali) wurde eine Kirche verwüstet. Gleichzeitig ha- ben sich die Wüstenvölker im Nor- den Malis vom Süden abgespalten und die Republik Azawad ausgeru- fen. Der Präsident wurde von Teilen des Militärs gestürzt, weil er nicht entschieden genug gegen die Auf- ständischen vorging. Wie immer in solchen Konflikten vermischen sich auch hier die unterschiedlichsten Interessen: Die Wüstenvölker im Norden, darunter die Tuareg, sind schon lange das Armenhaus Malis und fühlen sich vom fruchtbaren Süden vernachlässigt. Nun wurden im Norden Erdöl und Uranvorräte gefunden. Die Wüstenvölker be- fürchten jetzt zu Recht, dass die Ge- winne aus dem Abbau nur der Hauptstadt zu Gute kommen wer- den und sie selber leer ausgehen. In den vergangenen Monaten hat sich der schon über Jahrzehnte schwelen- de Konflikt dramatisch verschärft: Am 6. April 2012 rief die Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA) die Unabhängig- keit des Nordens aus. Von der mali- schen Armee kam nur wenig Gegen- wehr, die Überwachung der ausge- dehnten Wüstengebiete ist kaum möglich.Dazukommt,dassdieTua- reg gut bewaffnet sind: Weil in der Wüste kaum Geld zu machen ist, dienten viele unter Gaddafi als Söld- ner und kehrten nach seinem Sturz bestens ausgerüstet zurück. Unterstützt wurden die Rebellen in ihrem Unabhängigkeitskampf an- fänglich von der radikalislamischen Gruppe Ansar al Din, die Verbin- dungen zu Al Quaida unterhält. Die Allianz zerbrach aber schnell wieder, die Rebellen der MNLA wurden von Ansar al Din aus mehreren Städten vertrieben. Grund dafür waren unter- schiedliche Ziele: Den Islamisten geht es nicht vorrangig um einen unabhängigen Staat Azawad, son- dern um die Einführung der Scharia in ganz Mali. Aber auch das ist nur ein Vorwand. Die Scharia ist ein tol- les Instrument, um potenzielle Stö- renfriede ruhig zu halten, damit man ungestört dem Waffen-, Drogen- und Zigarettenschmuggel nachge- hen kann. Mit tiefer Frömmigkeit hat das nichts zu tun. Der Chef vonAnsaralDin, Iyad Ag Ghaly, ist bekannter- maßen dem Al- kohol sehr zuge- tan. Wenn er jetzt nach einem Saufgelage mor- gens mit Kopf- weh aufwacht heißt es eben, er hätte die Nacht im Gebet verbracht und sei müde. Der Bevölkerung in den eroberten Gebieten ist dagegen Alkohol streng verboten, genauso wie Fußball spielen, Fernsehschau- en, das Hören von westlicher Musik und vieles mehr. Die strenge Ein- UMSTURZ Bruder Wilfried Langer wurde 1940 in Bartelsdorf im heutigen Tschechien geboren. Nach der Vertreibung im Zuge des Zweiten Weltkrieges wuchs er in einfachen Verhältnissen in Deutschland auf. Seine Entscheidung, in den Orden einzutreten, ist eng mit seiner Her- kunft verknüpft: „Ich hatte in meinem Leben so viel Hilfe erfahren, da wollte ich etwas zurückzahlen.“ Seit seiner Rückkehr aus Afrika 2011 lebt Bruder Wilfried im „Haus der Begegnung“, dem Sitz der Afrikamissionare Weiße Väter in München. mali>Das größte Problem in Mali ist der Regen beziehungsweise die Abwe- senheit desselben. Extreme Trocken- perioden gehen zum Teil direkt in sinntflutartige Überschwemmungen über. 65 Prozent der Landfläche sind dauerhaft von Wüste oder Halbwüste bedeckt, so dass sich die Landwirt- schaft im Wesentlichen auf die bewäs- serten Gebiete entlang des Flusses Niger beschränkt. Exportiert werden vor allem landwirtschaftliche Produkte und Gold. Mali gehört zu den 25 ärm- sten Ländern der Welt, galt bis zum Ausbruch des Bürgerkriegs aber als afrikanische Vorzeigedemokratie: Die Organisation Reporter ohne Grenzen listet in ihrer Rangliste der Pressefreiheit 2011 Mali auf Rang 25 – und damit 13 Plätze vor der ehe- maligen Kolonialmacht Frankreich. stichwort umsturz 08-09-Stichwort_12-06:08-09-Stichwort_12-06 01.10.2012 15:13 Uhr Seite 8

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