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missio_ebooks_06_2012

WAS, die Westafrikanische Wirt- schaftsgemeinschaft um militärische Hilfe gebeten. Aber was machen die denn? Die kennen sich in der Wüste nicht aus, die vergewaltigen noch mehr als die, die sie eigentlich be- kämpfen sollen, die klauen lastwa- genweise Fernsehgeräte und Kühl- schränke und fahren sie heim. Das ist einfach das Soldatenleben in jedem Konflikt, das sind keine Heiligen. Für die Christen in Mali ist die Situation natürlich besonders be- drückend. Noch sind sie zum Glück kaum betroffen, weil sie hauptsäch- lich im Süden des Landes wohnen. Dorthin sind auch die meisten derje- nigen geflohen, deren Kirche in Gao von Rebellen verwüstet wurde. Aber die Christen in Mali lassen sich auch nicht einschüchtern: Am 9. Sep- tember wurde trotz der Ge- fahr ein neuer Priester geweiht. << Dieser Beitrag wurde redaktionell bearbeitet und gekürzt. Ein Interview mit Bruder Wilfried Langer finden Sie auf unserer Internetseite www.missio.com missio magazin 6/2012 09 folgreiche Weinfabrik. Die Men- schen haben andere Probleme: Wie sie ihre Kinder satt bekommen, wo sie Arbeit finden. Die reine Islam- lehre hat da definitiv keine Priori- tät. Natürlich gibt es auch im Süden Malis Sympathisanten der Islamisten: Es gibt die Wendehälse, die unter jeder Regierung Minister- posten besetzen, warum nicht auch unter den Islamisten? Und es gibt Stimmen, die sagen, dass die Scha- ria immer noch besser ist als die noch oft praktizierte Lynchjustiz und besser als die allgegenwärtigen Bordelle und der oft übermäßige Alkoholkonsum. Aber das sind eher Minderheitenmeinungen. Der französische Präsident Hol- lande hat sich für eine Militärinter- vention in der Krisenregion ausge- sprochen. Der Einsatz soll unter afri- kanischer Führung, aber gegebenen- falls mit internationaler Unterstüt- zung stattfinden. Ich halte das für absolut falsch. Wenn die ehemalige Kolonialmacht Frankreich eingreift, ist alles verloren, die kann in Mali keiner leiden. Der Interims-Präsi- dent Malis, Dioncounda Traoré, hat nun Anfang September die ECO- haltung der Vorschriften des Islams ist Pflicht. Aber die Leute sind auch Meister im Umgehen von Regeln: Während des Ramadan sind die Wirtschaften vorne geschlossen und die Kunden kommen eben über den Hintereingang. In den westlichen Medien wurde im Zusammenhang mit dem Kon- flikt in Mali vor allem über Stei- nigungen und Auspeitschungen durch die Islamisten berichtet. Diese Vorfälle haben natürlich statt gefunden, sind aber extreme Einzel- fälle. Ihre Wirkung entfalten die Strafaktionen nicht durch ihr Aus- maß, sondern durch die Angst, die sie in der Bevölkerung säen. Ich kann nicht sagen, wie es in Mali jetzt weitergehen wird. Die radikalislamischen Gruppen wis- sen, dass sie den dicht besiedelten Süden militärisch nicht erobern können und setzen auf Verhandlun- gen. Bei den meisten Menschen im Süden sind die Islamisten jedoch sehr unbeliebt. Die Menschen prak- tizieren in der Mehrzahl einen ge- mütlichen, relaxten Islam. Wir ha- ben eine sehr gut gehende Brauerei in Mali, wir haben eine äußerst er- missio Redaktion „missio magazin“ Pettenkoferstraße 26-28 80336 München redaktion@missio.de Bruder Wilfried Langer spricht sich gegen internationale Militär- einsätze in Krisengebieten aus. Was ist Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie uns. stichwort umsturz ? „Die Scharia wird von den Islamisten als Unterdrückungsinstrument genutzt, damit sie in Ruhe Waffen- und Drogenschmuggel betreiben können.“ 08-09-Stichwort_12-06:08-09-Stichwort_12-06 01.10.2012 15:13 Uhr Seite 9

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