Please activate JavaScript!
Please install Adobe Flash Player, click here for download

missio_ebooks_06_2015

missio magazin 6/201550 wiedersehen in papua-neuguinea >> Zwei Herren mit Blumen- kränzen auf dem kahlen Haupt, in ihren Händen halten sie Pfeil und Bogen aus Holz. Was für unsere Augen exotisch anmu- tet, ist im Pazifik ein starkes Symbol für die Kraft der Ver- söhnung zwischen verfeindeten Gruppen. Peter O’Neill, Pre- mierminister von Papua-Neu- guinea und John Momis von der Autonomen Regierung der Insel Bougainville haben das vor kurzem bewiesen. „Das Bild mit O’Neill und Momis zeigt beide, wie sie Bögen zerbechen, was nichts anderes ist, als das Kriegsbeil zu begraben als Teil der Versöh- nung zwischen PNG und Bou- gainville,“ beschreibt Andi Sie- dersleben die Szene. Der deut- sche Entwicklungshelfer lebt seit vielen Jahren in Papua-Neuguinea und arbeitet für die katholi- sche Diözese Buka, zu der auch die Insel Bou- gainville gehört. Dort gab es zwischen 1989 und 1998 den schwers- ten bewaffneten Kon- flikt im Südpazifik seit dem Zweiten Welt- krieg. Eine Rebellenarmee hat- te die Kupfer- und Goldmine von Panguna, eine der größten der Welt, besetzt, weil sich die Einheimischen um die Erlöse aus dem Bergbau betrogen fühlten. Bis zum endgültigen Friedensschluss 2001 starben etwa 20 000 Menschen. Bis 2020 könnte die Insel unabhängig sein Die Frage, ob und wann Pan- guna wieder geöffnet wird, ist seit Jahren das große Ge- sprächsthema. Denn der Be- trieb der Mine gilt als Voraus- setzung dafür, dass die Insel Bougainville mit ihren knapp 300000 Einwohner eigenstän- dig überleben kann. Nichts anderes steht näm- lich in den kommenden Jahren bevor. Im Friedensprozess ist ein Referendum vorgesehen, bei dem die Inselbewohner über ihre politische Zukunft abstim- men können. Wollen sie Teil von Papua-Neuguinea bleiben, oder bevorzugen sie einen eige- nen Staat? „Das Referendum ist für 2019 oder 2020 geplant,“ sagt Entwicklungshelfer Sie- dersleben. „Meiner Einschät- zung nach wird die Mehrheit für Unabhängigkeit stimmen.“ Doch zuvor müssen sich die einstigen Konfliktparteien eini- gen. Dazu gehören die Bergbau- firma Bougainville Copper Li- mited und ihr Mutterkonzern Rio Tinto, genauso wie die Regierungen von Port Moresby und Bougainville, dazu mehrere Gruppen von Landbesitzern und die verschiedenen, oft unterei- nander zerstrittenen Rebellen- grupppierungen. Nach langem Stillstand scheint eine Lösung nahe. Ende 2014 verabschiede- te die Autonomieregierung ein neues Bergbaugesetz. Damit verlor BCL/Rio Tinto seinen Pachtvertrag für Panguna, be- hält aber das Recht, sich um eine neue Konzession zu bewerben. Präsident Momis will damit die Zukunft der Mine selber bestim- men können. Gleichzeitig soll das Treffen der beiden politi- schen „Häuptlinge“ Momis und O’Neill nur ein Anfang gewesen sein. Andi Siedersle- ben: „Es wird davon gespro- chen, dass es noch eine richtig große Zeremonie geben wird.“ Die Vorbereitungen für dieses „Bel Kol“-Fest laufen bereits seit Monaten. Mit Schweinen und Perlenketten Bis Ende August 2015 war alles vorbereitet, alle Parteien hatten ihr Mitmachen zugesagt, und der Chef des Festkomitees hatte schon genau festgelegt, welche Rituale vollzogen werden soll- ten – von der Reinigung des Blutes der Gefallenen, bis zur Übergabe von Schweinen und Perlenketten als Zeichen der Versöhnung. Doch Anfang Sep- tember kam die Ernüchterung: Einige Hardliner unter den Rebellen, die die Mine besetzt halten, sagten ihre Teilnahme im letzten Moment ab und die Zeremonie musste auf unbe- stimmte Zeit verschoben wer- den. << Ch. Selbherr Fotos:FritzStark,Archiv Vor drei Jahren berich- tete das missio magazin über „Die offene Wunde von Panguna“. Die Folgen des Bürger- kriegs um die einstmals größte offene Kup- fermine der Welt bestimmten das Leben der Menschen auf der pazifischen Insel Bougain- ville. Seitdem hat es Fortschritte gegeben: Politiker, Firmenleute und Kriegsparteien verhandeln wieder miteinander. Wann ist eine Versöhnung möglich? VERSÖHNUNG VERTAGT etwa 20000 Menschen.

Seitenübersicht