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missio_ebooks_06_2016

10 | missio 6/2016 FACETTEN INTERNATIONAL wieder brutale Kämpfe. Nachts hätten betrunkene Soldaten wild um sich ge- schossen, und Ende Juli seien Soldaten auch über das Kirchengelände hergefal- len. „Sie schüchterten uns mit ihren Waffen ein, wählten zwei ugandische Ar- beiter aus, schlepp- ten sie in die Nähe der Kirche und feuerten auf sie. Einer der Ugander war sofort tot.“ Danach sei es immer wieder zu Angriffen gekommen. „Wir haben uns entschieden, den Südsudan zu un- serer eigenen Sicherheit zu verlassen,“ so Pater Francis Joseph. Eine baldige Rückkehr hält er für unwahrscheinlich. „Der Frieden bleibt ein ferner Traum.“ Bereits im Mai 2016 war die Steyler Missionsschwester Veronika Racková bei einem Überfall in der Nähe von Yei angeschossen und schwer verwundet worden. Wenige Tage später starb die tschechische Ordensfrau an ihren Schuss- verletzungen. Die 58-Jährige hatte als Ärztin in einem Regierungskrankenhaus gearbeitet. Unterdessen suchen andere kirchli- che Gruppen nach Möglichkeiten, um weiter im Südsudan zu bleiben. „Wir wollen festhalten an der Hoffnung“, schreibt der deutsche Comboni-Bruder Hans Eigner. Als gelernter Bauingenieur betreut er mehrere Bauprojekte nahe der Hauptstadt Juba. Das größte davon wird jetzt eröffnet: Ein Friedenszentrum etwa 15 Kilometer außerhalb der Stadt. Unter Führung der Comboni-Missionare werden dort fünf Ordensmänner und -frauen leben und arbeiten. Es soll ein Ort der Begegnung und des Friedens werden – auch für bisher verfeindete Gruppen. „Es kann nicht sein, dass Kon- flikte immer nur mit Waffen ausgetragen werden,“ so Hans Eigner. „Politiker und Militärs haben viel Schaden angerichtet und ihr Vertrauen in der Bevölkerung verspielt. Umso mehr wollen wir einen Weg zum Frieden und Gemeinwohl för- dern und entwickeln.“ Ein Schwerpunkt wird auf der Ju- gendarbeit liegen. Der Leiter des Zent- rums, Daniel Moschetti, betont: „Das ist ein großer Schritt nach vorne. Wir sind fest entschlossen, eine neue Gene- ration auszubilden, die in Frieden zu- sammenlebt.“ Auch inmitten von Chaos und Krieg wollen sie sich diese Hoffnung nicht nehmen lassen. A ES HAT KEINEN SINN MEHR. Ende August 2016 gaben die Steyler Mis- sionare bekannt, dass sie den Südsudan verlassen werden. Erst 2012 hatten sie ihre Missionstation im kleinen Ort Lai- nya gegründet. Doch die immer wieder aufflammenden Konflikte machen eine erfolgreiche Arbeit unmöglich. Der indi- sche Pater Francis Joseph Naduvile- dathu SVD sagt: „Wir fühlten uns am Ende wie hilflose Zuschauer, gefangen in einem Wirbelwind aus Neid und Hass und nicht enden wollender Gewalt.“ Militär und Rebellenmilizen lieferten sich nahe der Missionsstation immer Gehen oder bleiben Die Krise im Südsudan stellt auch die kirchliche Projektarbeit vor schwere Entscheidungen Fotos: Steyler Mission, Reuters (2) „Wir fühlten uns am Ende wie hilflose Zuschauer, gefangen in einem Wirbelwind aus Neid und Hass.“ „Wir wollen festhalten an der Hoffnung.“ Im Jahr 2012 kamen die Steyler Missionare in den Südsudan - jetzt müssen sie gehen.

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