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missio_ebooks_06_2016

Auf einer Sanddüne oberhalb des “Canal des Pangalanes“ thront eine steinerne Figur. „Es ist ein weißer Elefant“, sagt die örtliche Legende in diesem Teil von Madagaskar. Vor vie- len hundert Jahren soll ein muslimischer Herrscher die Statue von einer Pilgerreise nach Mekka mitgebracht haben. Seitdem wacht sie hier über die Geschicke des Dorfes Ambohitsara und des hier lebenden Volkes der Antambahoaka. Besucher haben in unbeobachteten Augenblicken Jahreszahlen eingeritzt. Sie reichen zurück bis weit ins 18. Jahrhundert. Allein - diese Art von Speckstein, die für dieses Werk verwen- det wurde, gibt es auf der arabischen Halbinsel überhaupt gar nicht. Also, woher kommt das sagenumwobene Kunstwerk wirklich, falls es nicht doch ein lo- kaler Künstler angefertigt hat? Forscher vermuten: aus Asien, denn es gibt viele Hinweise darauf, dass schon in alter Zeit Seefahrer aus dem fernen Osten übers Meer fuhren und so die größte Insel Afrikas erreichten. Ein Beleg dafür: Die madagassische Sprache ist verwandt mit dem Ma- layischen und auch mit dem indonesischen Bahasa. Und „Vatomasina“, der „heilige Stein“ auf der Düne, ist bei genauem Hinsehen ver- mutlich doch eher ein „Vato Lambo“ – ein heiliges Schwein. Die örtlichen Clanfamilien nehmen das ernst - und essen kein Schweinefleisch. Man will die alten Mythen und Gottheiten ja nicht unnötig herausfordern. Tanambao Mananjary MADAGASKAR – UND DAS HEILIGE SCHWEIN heims, Julie Rasoarimanana. Der Einfluss der Clanchefs schwindet, die Moderne hält Einzug. Mehr und mehr Angehörige der Antambahoaka heiraten jemanden aus einer anderen Volksgruppe. Mike An- gelico bestätigt: „Ich lebe ein glückliches Leben, obwohl ich ein Zwilling bin. Und damit zeige ich allen, dass ich nieman- dem Unglück bringe.“ Im Sommer 2014 feierten die Antam- bahoaka eines ihrer höchsten Feste: Sam- batra. Es ist das Beschneidungsfest und findet nur alle sieben Jahre statt. In einer feierlichen Zeremonie werden aus Ju- gendlichen junge Männer. Ein Teil des Festes spielt sich im „Haus der Könige“ ab. Dort, wo die alten Männer herrschen. Mike Angelico und sein Bruder waren da- bei. Es war das erste Mal, dass ein Zwil- lingspaar diesen heiligen Ort betreten durfte. A 37 missio 6/2016 | VOR ORT MADAGASKAR Odile T. (2. v. r.) mit ihren Zwillings- kindern. Ihre Mutter hilft ihr.

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