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mm_ebooks_05_2017

WIEDERSEHEN IN PAKISTAN Harte Arbeit und viel Geduld Vor drei Jahren traf ein Reporterteam des missio magazins Ruth Pfau in der pakistanischen Stadt Karachi. Die Ärztin und Ordensfrau gründete dort vor fast 60 Jahren das landesweit erste Krankenhaus für Lepra- Kranke. Wie geht es Ruth Pfau heute? men, sondern sie gaben den Betroffenen auch einen würdigen Platz in der Gesellschaft. Die jüngste Initative kümmert sich zusätzlich um körper- lich behinderte Menschen. „Sie läuft noch etwas schleppend, aber wir wissen ja, dass so etwas harte Arbeit und viel Geduld erfordert“, sagt Ruth Pfau. Und trotzdem ist die Ordensfrau mehr als zufrieden: „Ich könnte mir heute keine bessere Situation für das MALC vor- stellen“, sagt sie. „Ein landesweites Programm mit einem multi-kulturellen Team am Laufen zu halten, birgt natürlich gewisse Herausforderungen, aber genau das macht doch auch die Freude aus.“ Die größere Schwierigkeit ist wohl das Land selbst: Armut, Terror und Korruption machen die Arbeit in Pakistan zu einer ständigen Bewährungsprobe. Doch Ruth Pfau hat sich schon immer auf das Schöne und Gute konzentriert. Das, wie sie sagt, überall zu finden sei. Und sie ist pragmatisch. In der Region Tharparkar, unweit von Karachi, herrscht derzeit große Wassernot. „Als erstes verdursten schwache Kinder, dann die Alten“, berich- tet eine Mitarbeiterin des MALC. Ruth Pfau will Wassertransporte organisieren. Denn ob- wohl die Arbeit der Kli- nik vor allem auf langfri- stige Gesundheitspro- gram me ausgerichtet ist, sucht das Team auch dann nach Lösungen, wenn keine Zeit mehr bleibt, um abzuwarten. A STEFFI SEYFERTH t a v i r p , ) 2 ( k r a t S z t i r F : s o t o F „ICH KÖNNTE MICH kaum besser fühlen“, schreibt Ruth Pfau in einer E-Mail an das missio magazin. Am 9. Sep- tember wird die Ärztin und Ordensschwester 88 Jahre alt. Ihr Tatendrang ist nach wie vor ungebrochen, auch wenn sie die Leitung über das „Marie Adelaide Leprosy Centre“ (MALC), Pakistans erstes Lepra-Krankenhaus, inzwischen abgegeben hat. Mittendrin ist sie trotzdem noch: Bis heute lebt Ruth Pfau in einem kleinen Einzimmer-Appartment im obersten Stockwerk der Klinik und sorgt sich nach wie vor um die Patienten. So wie sie es schon immer getan hat. Gerade einmal 30 Jahre alt war Ruth Pfau, als sie in der brütend heißen Metropole Karachi das ers te Mal Leprakranken begegnete. Bis heute er- innert sie sich an einen Mann, der auf dem Bo- den lag und dessen Beine von Ratten zerfressen waren. Aber nicht die Kranken schockierten sie, sondern wie man mit ihnen umging. Sie wurden als Aussätzige behandelt – verstoßen oder ein- gesperrt. Dr. Ruth Pfau Innerhalb von Se- kunden entschied Ruth Pfau damals, zu bleiben und zu helfen. In einer einfachen Bretterhütte behandelte sie 1960 ihre ersten Lepra-Patienten. „Be- rührungsängste hatte ich nie“, sagte Ruth Pfau in ihrem Interview mit dem missio magazin vor drei Jahren. Heute arbeitet das MALC mit 157 Zweigstel- len vernetzt im ganzen Land. Ruth Pfau und ihr Team schafften es nicht nur, die Lepra in Pakistan einzudäm- 50 | missio 5/2017

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